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Wiener Lieder mit Günther Groissböck & Co: Süß, aber galliger Abgang

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Von: Markus Thiel

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Günther Groissböck.
Hintergründig, bissig und leise ist die klingende Liebeserklärung von Bassist Günther Groissböck. © Dominik Stixenberger

Es gibt welche, die nur so tun. Doch Günther Groissböck und seine Kollegen beherrschen das Wiener Lied. Eine Kritik ihrer CD „Gemischter Satz“. 

Wenn’s lediglich halbwegs authentisch ist, dann wird – nicht nur – der Wiener zum Grantscherm. Das betrifft (Tenor-)Stars, die sich mit bemühtem Schmäh per CD beim Donauvolk einschmeicheln. Oder Kollegen, deren Dialekt-Ausflüge an „Rosenkavalier“-Abenden sich auf der Ebene eines Japanisch parlierenden Franzosen bewegen. Vor diesen Hintergründen ist alles an diesen Silberscheiben pur und echt.

Günther Groissböck, weltweit gefeierter Bassist, Karl-Michael Ebner, Wiener Tenor-Unikum, und die Philharmonia Schrammeln haben sich zusammengetan für eine Feier des Wiener Lieds. Der Titel „Gemischter Satz“ spielt an auf einen Wein, der sich aus verschiedenen Traubensorten eines einzigen Weinbergs zusammensetzt und nicht mehr als wilder Mix, sondern edler Tropfen gilt. Das Motto bezieht sich aber auch aufs Programm dieser wunderbaren Doppel-CD.

Vom Himmelvater bis zur Inzidenz

Alles kommt hier vor. Es ist eine leise, böse, hintergründige, schwarze, bissige Feier der österreichischen Heimat. Manchmal süß aufs erste Kosten und gallig im Abgang. Der „guate Himmelvater“ wird genauso besungen wie das „Muatterl“, das „a Weanerin“ war. Es gibt Gstanzln wie „Es-tam-tam“, die nach Aktuellem verlangen. Von geschlossenen Theatern und hohen Inzidenzen ist da die Rede. Doch im Allgemeinen bleiben die Herren brav – obgleich man gerade von Groissböck weiß, wie fuchtig er in zwei Pandemie-Jahren geworden ist.

Seinen Prachtbass kann er für die Stücke recht geschmeidig machen. Kollege Ebner agiert zwischen Tenorkultur und Brettl-Ton. Und ein besseres Ensemble als die Philharmonia Schrammeln, bei denen Mitglieder der Wiener Orchester aktiv sind, lässt sich für das Repertoire nicht denken. Auch nicht auf der zweiten, reinen Instrumental-CD, auf der Klassiker wie „Wiener Blut“ oder „Wien bleibt Wien“ von fetter Großbesetzung befreit werden. Christoph Wagner-Trenkwitz liest dazwischen Charmantes bis Garstiges. Alles im O-Ton Wien. Man muss also genau lauschen – und wird mit einem Hör-Räuscherl belohnt.

„Gemischter Satz“
mit Günther Groissböck, Karl-Michael Ebner, Christoph Wagner-Trenkwitz und den Philharmonia Schrammeln (Gramola).

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