Die Guillotine wartet

- Aufbegehren gegen Unerträglichkeiten und Unrecht, mutiges Verändern und schließlich nachhaltig etwas bewirken: Das ist Revolution. In wie vielen Ländern hat es eine erfolgreiche Revolution gegeben? Kuba gehört sicher dazu: Als Fidel Castro 1959 den Diktator Batista stürzte und einen sozialistischen Staat aufbaute, wurde zwar nicht alles eitel Sonnenschein, aber dennoch änderten sich die Verhältnisse massiv. Wie sehen nun die Kubaner selbst ihr von politischen Krisen gebeuteltes Land? Und wie stehen sie da im Vergleich zu den "Revolutionen der Welt"?

Ein großes Thema hat sich die Ausstellung in der Münchner Galerie der Künstler ausgesucht, die Siegfried Kaden kuratiert hat. Die Solidarität Europas mit Kuba wird dem Ganzen vorangestellt. Joseph Beuys' "Die Revolution bin ich" auf Postkarten soll eine zeit- und ortlose Einführung sein. Klaus und Rolf Staeck haben schon viel herber Plakate umfunktioniert, setzen den Manager neben ein verhungertes Kind auf den Limousinen-Rücksitz und titeln: "Wir haben ein Herz für Sie (und für Ihr Verpflegungsproblem)".

Ob es nun eine Politisierung des Letzten Abendmahls ist (Raú´l Camilo de la Vega) oder ein Zusammenschluss von christlichen Symbolen, Madonnen und mittelalterlicher Ritter samt Evas Verführung (William Hernandez) - die Revolution für die Kubaner selbst besitzt religiösen Status. Sämtliche Kulturen der Insel spielen dabei eine Rolle.

'Treffen der Volksverführer

Besonders die afrikanische ist in den düsteren Kriegsgöttern von Francisco Gordillo vertreten. Ähnlich Jorge Delgados Todesreiter und todbringende Bogenschützen, die Begleiterscheinung jeder Revolution.

Der figurative, detaillierte Stil Kubas ist teils auch deutlich von Surrealismus geprägt. Javier Dueñ~as lässt eine fragile Szenerie, ein Massenfloß auf den abgeschnitten Köpfen anderer entstehen und erzählt mit Fabulierlust zwischen Kindermärchen und Kriegskritik von Ausbruchsversuchen. Auch Ibrahim und Ruben Rodriguez begeben sich zwischen Brueghel'sche Erzählkunst und den makaberen Visionen eines Dalí´. Hinter den Masken Napoleons und Kolumbus' bauschen sich die Schatten des Todes auf, die Guillotine wartet. Die allerletzten Schritte einer weltweiten Revolution zeigt Antonio Estupiñ~á´n: Die Volks(ver)führer, angefangen bei Hitler, treffen sich zum Selbstmord, während die Nachrücker zuschauen.

Bis 7. Juli, Maximilianstr. 42, Katalog 15 Euro. Tel. 089/22 04 63.

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