Guinness-Rekord

- "Fünfzig Prozent der Münchner machen ja heuer Urlaub auf Balkonien. Wenn davon nur die Hälfte zur Tanzwerkstatt Europa (TWE) käme, stünde ich finanziell gut da", tagträumt mal hoffnungsvoll Joint-Adventures-Chef Walter Heun. Sein Sommer-Event - "der Begriff Festival trifft nicht bei der TWE" - hat tatsächlich die Chance auf dichten Besuch. Denn die TWE mit Vorstellungsreihe und Workshop-Programm ist quasi ein Passiv-Zuschauer, Profis und Amateure ansprechendes Ganzkörper-Projekt; und fällt auch noch in den kulturflauen August.

<P>Schon am 3. August geben die zwölf Gast-Pädagogen, darunter der Forsythe-Tänzer Thomas MacManus und international bekannte Choreographen wie Felix Ruckert und Charles Linnehan, eine Einführung in ihre persönliche Arbeitsweise und Zielsetzung. Eine exzellente Orientierungsmöglichkeit. Denn erstens ist die Auswahl groß zwischen einem Modern-Dance- & Tai-chi-Mischstil und fortentwickelter Pilates-Technik. Zweitens bedürfen Workshop-Titel wie "Transforming Movement Structures" oder "Performative Projektionen mimetischer Meere" näherer Erklärung. Letztgenannter Theorie-Workshop des österreichischen Journalisten und Autors Helmut Ploebst ("Neue Choreographie in der Gesellschaft des Spektakels", K. Kieser Verlag) wird Tanzwissenschaftler und generell Diskurs-Süchtige ansprechen. <BR><BR>Abends ab in die Vorstellungen (4. bis 14. 8., Muffathalle, i-camp). Neben bekannten Choreographen wie Jonathan Burrows und Pierre Droulers diesmal ein halbes Dutzend hierorts neuer Namen: der Berliner Jochen Roller zum Beispiel, der im Frühjahr auf der Tanzplattform Deutschland Lorbeeren erntete als "amüsant exhibitionistischer Animateur wie scharfer Analytiker sozialer Fakten". Der Israeli Haim Adri, ausgebildet bei dem Pantomime-Meister Jacques Lecoq, Darsteller unter anderem in Ariane Mnouchkines Thé´â^tre du Soleil, geht an die Grenzen zwischen Tanz und Theater. Die Finnin Nadia Gambier und die Brasilianerin Maria Clara Villa-Lobos, beide Absolventinnen von Anne Teresa de Keersmaekers belgischer Schule P.A.R.T.S., untersuchen über den eigenen Körper das Wesen der Performance und der Vermarktungsgesellschaft. Heun, der nichts von thematischen Klammern hält, verspricht: "elf zeitgenössische Tanzschöpfer - elf verschiedene Stile", was bei zwar solide gebliebener städtischer Subvention (insgesamt 155 000 Euro plus Hallenmieten), aber dem durch die Finger fließenden Teuro einem Guinness-Rekord gleichkommt - der ein Testen verdient hat.</P><P>Info Tel. 089/ 72 42 515. </P>

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