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„Gunda“: Ein Schwein erobert das Heimkino

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Von: Michael Schleicher

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Szene aus dem Dokumentarfilm „Gunda“.
Hausschwein Gunda und Ferkel beim Familienausflug. © Filmwelt/ Sant & Usant/ V. Kossakovsky/ Egil H. Larsen

„Gunda“ ist der tierisch gute Dokumentarfilm über ein Hausschwein. Auf der Berlinale und im Kino hat Victor Kossakovskys Werk begeistert. Jetzt gibt‘s „Gunda“ fürs Heimkino. Unsere Kritik:

Dieser Film klagt nicht an, dieser Film kommentiert nichts, dieser Film will auch niemandem irgendeine Meinung unterjubeln.„Gunda“ zeigt einfach nur: das Leben. Victor Kossakovsky, russischer Regisseur, der seit vielen Jahren in Berlin zuhause ist, porträtiert das Wunder der Schöpfung – und das beginnt mit der Geburt. Ins Zentrum seines poetischen Kino-Essays rückt der Filmemacher das Hausschwein Gunda, das am Anfang dieser intensiven 90 Minuten wirft (die DVD ist am 9. Dezember 2021 bei Eurovideo erschienen). Die Kamera bleibt zwar in angemessener Distanz, um das Tier nicht zu stören, nimmt sich aber alle Zeit, die nötig ist und die der Geburtsvorgang eben braucht.

Kossakovskys Technik der Entschleunigung mag zunächst ungewohnt sein, doch entfaltet sein Film dadurch – und verstärkt durch die eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen – eine meditative Ruhe, die in langen Einstellungen zum Nachdenken einlädt: Dadurch landet jeder Zuschauer, jede Zuschauerin irgendwann unweigerlich bei der Überlegung, wie die Menschheit eigentlich mit den sogenannten Nutztieren umgeht.

„Gunda“ feierte Premiere auf der Berlinale

Allerdings ist der Homo sapiens nie zu sehen. Der Stall, in dem Gunda und ihre Ferkel leben, ein Zaun, der die Weide begrenzt, erinnern daran, dass die Tiere in Obhut von Menschen sind. Wobei „Obhut“ mitunter der falsche Begriff ist, wenn sich die Hühner vorsichtig ins Bild tasten, die zuvor offenbar in einer Legebatterie dahinvegetieren mussten, bevor sie hier die ersten Schritte im Freilauf wagen.

Doch Victor Kossakovsky ist weit davon entfernt, Tiere zu vermenschlichen. Auch stört kein Sprecher aus dem Off die Geräuschkulisse des Lebens. Zum Glück. Denn umso wuchtiger wirkt die Frage, die „Gunda“ letztlich stellt. Es ist die Frage nach der Verantwortung.

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