Zu Gunsten der neuen amerikanischen Malerei

- 900 000 Besucher bislang. In Berlin steht man sich die Füße platt. Sechs Stunden Wartezeit mindestens, um in die als sensationell gefeierte Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu kommen, derzeit _ bis 19. September _ zu Gast in der Neuen Nationalgalerie.

<P>Doch jetzt hat der renommierte Kunsthistoriker Werner Spies die Superschau ein wenig entzaubert. In der "FAZ" wirft er den amerikanischen Machern der Berliner MoMA-Ausstellung Verfälschung der Kunstgeschichte der vergangenen 50 Jahre vor. Die Schau mit ihren 200 Werken verschweige in "ungeheuerlicher" Weise den Beitrag der Europäer zur Kunst zwischen 1945 und 2000. Mit Werken von Picasso, Matisse, Brancusi und Mondrian, mit Expressionisten und Surrealisten räume die Ausstellung der Kunst Europas bis 1950 zwar einen breiten Raum ein. Für die Zeit danach reduziere die Schau die europäische Kunst auf nur ein paar Namen zu Gunsten der "neuen amerikanischen Malerei". So zeige die Ausstellung kein einziges Werk nach '45 von Matisse, Max Ernst, Dubuffet oder Giacometti, die in der zweiten Jahrhunderthälfte auf US-Künstler einen prägenden Einfluss ausübten. Auch verschweige die Präsentation Künstler wie Nam June Paik, Tinguely, Bacon, Beuys, Kiefer, die in den vergangenen Jahrzehnten den Kunstbetrieb bestimmten.</P><P>Das MoMA in New York habe seit seiner Gründung Picasso und Matisse stets als zentrale Figuren ihrer Sammlung verstanden, schreibt Spies weiter. Die Berliner "Visitenkarte" vermittle aber eine falsche Vorstellung. Kritiker Spies: "Man kommt nicht um den Verdacht herum, die europäischen Künstler sollen einfach geopfert, in die Schranken verwiesen werden."</P><P>Der Initiator der Berliner Ausstellung, Peter Raue, hatte die Präsentation der Werke verteidigt. Es gehe darum, wie Amerika die Kunst des 20. Jahrhunderts sehe, sagte Raue dem "Spiegel". Für die Kunst nach 1945 sei mit Ausnahme von Gerhard Richter bewusst auf Europäer verzichtet worden.mm<BR>"Die Amerikaner, die die Auswahl getroffen haben, betreiben Kulturpolitik": Werner Spies zur MoMA-Ausstellung in Berlin. Unser Bild: "Vorher, nachher" von Andy Warhol.</P>

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