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Das Tauziehen um die wegen Nazi-Raubkunstverdachts umstrittene Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt geht weiter.

Rechtsstreit geht in neue Runde

Gurlitt-Cousine streitet weiter um Erbe

München - Wer erbt die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt? Laut Testament ist es das Kunstmuseum Bern. Seine Cousine ist damit nicht einverstanden. Nun geht der Rechtsstreit in eine neue Runde.

Das Tauziehen um die wegen Nazi-Raubkunstverdachts umstrittene Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt geht weiter. Seine Cousine Uta Werner macht nach wie vor Ansprüche auf das Erbe geltend, das Gurlitt per Testament dem Kunstmuseum Bern vermachte. Sie legte Beschwerde gegen die Ablehnung ihres Erbscheinantrages ein, wie das Amtsgericht München am Dienstag mitteilte. „Die Prüfung der Beschwerde durch das Amtsgericht München wird umgehend erfolgen“, hieß es.

Das Gericht hatte im März den Antrag der Gurlitt-Cousine auf einen Erbschein abgelehnt und erklärt, es halte das Testament mit dem Kunstmuseum Bern als Alleinerben für wirksam. Sollte das Gericht seine Entscheidung nun abändern wollen, müssten nochmals alle Beteiligten gehört werden, teilte eine Sprecherin mit. Andernfalls würden die Akten dem Oberlandesgericht vorgelegt.

Für das Kunstmuseum Bern ändert sich nach dessen Angaben dadurch zunächst nichts. Es sei dem Museum nach wie vor verwehrt, die ihm testamentarisch vermachte Erbschaft anzutreten, heißt es in einer Stellungnahme. Die Aktivitäten des Museums in Sachen Gurlitt blieben deshalb auf das Allernotwendigste beschränkt. „Insbesondere wird die geplante Forschungsstelle ihre Arbeit vorläufig nicht aufnehmen.“

Werners Anwälte machten unterdessen in einem Brief an das Museum, an den bayerischen Justizminister Winfried Bausback (CSU) und an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ihre Position deutlich. Ihre Mandantin gehe davon aus, dass Gurlitt zu dem Zeitpunkt, als das Testament verfasst wurde, nicht mehr mit freiem Willen entscheiden konnte, heißt es darin.

Dazu existiere bereits ein psychologisches Gutachten. Es sei aber vom Amtsgericht, das in ungewöhnlich kurzer Zeit über den Erbschein Werners entschieden habe, nicht ausreichend gewürdigt worden. Nach Ansicht der Anwälte wäre ein neues Gutachten notwendig gewesen. Gurlitt litt nach Einschätzung seiner Cousine unter wahnhaften Vorstellungen, unter anderem habe er sich von Nazis verfolgt gefühlt.

Die Übergabe der Sammlung von Cornelius Gurlitt an das Schweizer Museum, wie es das Testament vorsieht, lehnt Werner ab. Es handle sich um Dokumente der Zeitgeschichte, die nach Deutschland gehörten. Die von den Nazis als entartet verfemten Kunstwerke müssten hier von Experten erforscht und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, schreiben die Anwälte. Auch Werke der Künstler Louis Gurlitt und Cornelia Gurlitt müssten in der Obhut deutscher Museen bleiben. Ihre Mandantin sei entschlossen, alle geplanten Maßnahmen auch finanziell zu unterstützen, soweit es der Nachlass von Cornelius Gurlitt zulasse.

Das Interesse an dem Kunstfund ist groß. So hatte unlängst der künstlerische Leiter der Documenta, Adam Szymczyk, erklärt, er hätte die Werke gerne für die Weltkunstausstellung 2017. Auch die Staatsgalerie Stuttgart würde gerne ein Retrospektive zeigen.

Cornelius Gurlitt, Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am 6. Mai 2014 gestorben. Mit seiner Sammlung von mehr als 1500 Bildern in München und Salzburg stand er monatelang im Zentrum einer Debatte um Nazi-Raubkunst. Er vermachte sein komplettes Vermögen dem Kunstmuseum Bern. Zu dem Zeitpunkt stand er unter Betreuung. Werner hatte am 18. Februar 2015 einen Erbschein beantragt. Diesen Antrag wies das Amtsgericht München aber am 23. März per Beschluss ab, gegen den Werner nun vorgeht.

dpa

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