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So wurde Gustl Bayrhammer zu Meister Eder: Ulrich König, Regisseur der „Pumuckl“-Serie, erinnert sich

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Von: Cornelia Schramm

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Bei „Meister Eder und sein Pumuckl“ wurde viel improvisiert: In Wahrheit unterhielt sich Gustl Bayrhammer (links) alias
Meister Eder gar nicht mit dem frechen Kobold – sondern mit Regisseur Ulrich König (rechts).
Bei „Meister Eder und sein Pumuckl“ wurde viel improvisiert: In Wahrheit unterhielt sich Gustl Bayrhammer (links) alias Meister Eder gar nicht mit dem frechen Kobold – sondern mit Regisseur Ulrich König (rechts). © privat

Das alte München und eine Portion bayerische Lebensfreude – daran bleiben Kinder wie Erwachsene bis heute kleben wie Pumuckl am Leimtopf. Wie Gustl Bayrhammer zu Meister Eder wurde, weiß Ulrich König, der Regisseur der Kultserie, noch wie heute.

Holzkirchen - Wenn er den Kopf in den Nacken legte und laut lachte, wussten die Nachbarn, wen Ulrich König wieder in seinem Garten in Holzkirchen (Kreis Miesbach) zu Besuch hatte: Gustl Bayrhammer. „Das war unverkennbar“, erinnert sich Königs Frau Margarete. Bayrhammer, der am 12. Februar 2022 100 Jahre alt geworden wäre, war ein Freund der Familie und gern gesehener Gast, seit Ulrich König mit ihm gearbeitet hatte: als Regisseur von „Meister Eder und sein Pumuckl“. Anlässlich des runden Geburtstags von Bayrhammer haben wir uns mit Ulrich König auf die Spuren dieses so vielseitigen Schauspielers begeben.

Zig Fotografien hat König schon auf dem Tisch in seinem Wintergarten ausgebreitet. Pumuckl ist aber auf keinem einzigen der Bilder zu sehen, die während der Dreharbeiten zur Serie entstanden sind. „Man darf ja nicht vergessen“, erklärt der Regisseur, „dass Bayrhammer fast immer nur mit sich alleine gespielt hat. Die Zeichentrickfigur wurde erst hinterher eingefügt.“ Daher habe er selbst Pumuckls Stimme am Set imitiert.

Anfang der Achtzigerjahre ging es los mit der Produktion der Serie, die schnell Kult wurde und es bis heute ist. Ulrich König weiß es noch genau: „Am ersten Drehtag stand ,Tatort‘-Kommissar Melchior Veigl vor mir“, sagt er. Den Ermittler hatte Bayrhammer, als Erster in München, von 1972 bis 1981 gespielt. „Er hatte die Haare streng nach hinten gelegt und trug eine schwarze Lederjacke.“ Das Gegenteil des gemütlichen Handwerkers also, bei dem eines Tages der Pumuckl auftaucht und für immer bleibt, weil er am Leimtopf klebt und plötzlich nicht mehr unsichtbar ist. Koboldsgesetz halt.

Pumuckl wurde immer erst nach den Dreharbeiten als Zeichentrickfigur eingefügt - solange imitierte Regisseur Ulrich König am Set seine Stimme.
Pumuckl wurde immer erst nach den Dreharbeiten als Zeichentrickfigur eingefügt - solange imitierte Regisseur Ulrich König am Set seine Stimme. © Thomas Plettenberg

Pumuckl-Serie: Gustl Bayrhammer war die Idealbesetzung für Meister Eder

„Du weißt, wer die Idealbesetzung für Meister Eder wäre?“, fragte König in der Not den g’standenen Volksschauspieler, der durch die „Tatort“-Reihe auch deutschlandweit bekannt war: „Doktor Albert Schweitzer.“ Bayrhammer machte große Augen: „Das bin ich aber nicht“, habe er gemeint. Doch natürlich, entgegnete König. „Deshalb haben wir dich doch besetzt.“

Einfühlsam und liebevoll – so sollte der Schreinermeister mit dem Kobold umgehen. Nicht zuletzt, weil es eine Kinderserie war. Für Bayrhammer ging es dann erst einmal in die Maske: ein schlichtes Hemd, den Arbeitskittel und die Schiebermütze – so wie Meister Eder eben heute jeder kennt. Mit Zinkweiß wurden Bart und Koteletten eingefärbt. „Zur zweiten Staffel fünf Jahre später haben wir die weiße Farbe nicht mehr gebraucht“, witzelt Ulrich König. „Da war das Original schon nachgegraut.“

Der Familiennachlass der Bayrhammers kommt ins Archiv

Das Bayerische Hauptstaatsarchiv übernimmt mit dem Familienarchiv Bayrhammer die Nachlässe von Gustl Bayrhammer (1922-1993) und seinem Vater Max (1867-1942). Das wurde am Freitag mitgeteilt. Darin enthalten seien Dokumente wie ein Rollenbuch von Gustl, Auszeichnungen (Bambi und Bayerischer Filmpreis) sowie Erinnerungsstücke der Familie ab 1870.

Ziel sei es, diese Zeugnisse für die Zukunft zu sichern und der Forschung zugänglich zu machen, hieß es. „Zur Ergänzung der amtlichen Überlieferung sichert das Bayerische Hauptstaatsarchiv Nachlässe politisch und gesellschaftlich bedeutender Persönlichkeiten“, erklärt die Einrichtung. Die Übernahme des Familienarchivs Bayrhammer erfolge aufgrund des öffentlichen Interesses und der überregionalen Bedeutung der überlieferten Personen auf der Grundlage eines Schenkungsvertrages. (thy)

Wie war Regisseur König, heute 72, überhaupt auf die Serie gekommen? „Ich kannte Pumuckl nicht, aber meine Frau hat mir eine Schallplatte gezeigt und meinte, das müsse man verfilmen“, erinnert sich König, der so begeistert war, dass er die Idee dem Bayerischen Rundfunk vorschlug. Nicht nur, dass der Kobold ins Fernsehen muss, stand schnell fest – auch wer die Hauptrolle spielen sollte: Gustl Bayrhammer. Zuerst hatte Alfred Pongratz Eder seine Stimme in der Hörspielreihe geliehen. Nach dessen Tod hatte Bayrhammer 1977 die Sprechrolle übernommen, anschließend wurde er dann für die TV-Serie verpflichtet. Es passte ja nicht nur die Stimme, sondern auch sein Erscheinungsbild.

Ausschnitt aus der Original-BR-Serie "Meister Eder und sein Pumuckl".
„Meister Eder und sein Pumuckl“ wurde schnell zur Kultserie. © dpa/BR/Infafilm GmbH/Original-Entwurf „Pumuckl“ von Barbara von Johnson/picture alliance

Ulrich König, der von 1976 bis 1978 Regie bei der Musiksendung „Szene“ führte, nahm dann die Serie mit dem Kobold in Angriff. Ob es da mal Konflikte gab zwischen ihm, dem jungen Mann von Mitte 20, und dem alten Hasen Bayrhammer? „Überhaupt nicht“, sagt König, weiß aber wohl, welcher Ruf dem Schauspieler vorauseilte. „Er konnte zintig werden, wenn Leute sich mit Projekten nur profilieren wollten. Zum Glück hat er bei mir sofort gemerkt, dass es mir immer um die Sache ging.“

Ulrich König: „Gustl Bayrhammer war von Natur aus Respektsperson“

Grantig wurde Bayrhammer auch bei einfältigen Rollen: etwa die des bayerischen Hausdeppen mit Seppl- Image, wie er selbst einmal erklärte, als er zunehmend Rollen ablehnte, weil er die Drehbücher zu flach fand. Einfältig fand er die Rolle als Eder wohl nie, Schluss machten er und König nach 52 Folgen trotzdem. „Nach der zweiten Staffel war die Geschichte für mich auserzählt“, so König. Für „Franz Xaver Brunnmayr“ und „Weißblaue Geschichten“ arbeiteten sie weiter zusammen. „Als Schauspieler war er präzise und von Natur aus Respektsperson – ein Profi eben.“

Wer neben Pumuckl am Set am meisten Schabernack getrieben hat, ist für Ulrich König keine Frage: Kameramann Horst Schier und er selbst. Würde man Bayrhammer fragen, fand ihr Klamauk wohl in der Folge „Pumuckl macht Ferien“ seinen Höhepunkt. Die Bilder vom verlassenen Bahnhof im Oberland wollte König mit der Melodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ unterlegen. Ein Filmzitat als Kunstkniff – das fand Bayrhammer grenzwertig. „Wenn wir zu wild vor uns hin gesponnen haben, ging er entweder spazieren oder in seinen Bereich, der oberhalb der Werkstatt lag.“ Und dann? „Na ja, am Ende hat er dann gerne mitgemacht!“

Ein Stück Erinnerung an die „Pumuckl“-Zeit darf im
Hause nicht fehlen: Regisseur Ulrich König mit Puwackl, einem Original-Requisit der Serie.
Ein Stück Erinnerung an die „Pumuckl“-Zeit darf im Hause nicht fehlen: Regisseur Ulrich König mit Puwackl, einem Original-Requisit der Serie. © Thomas Plettenberg

Am meisten Zeit verbrachte die Crew aber in Meister Eders Werkstatt, einem Hinterhaus in der Widenmayerstraße im Münchner Lehel. „Ich habe die Schauspieler bei Pannen oft weiterspielen lassen, wodurch lustige Situationen entstanden sind“, erzählt König. „Blödeln konnte Gustl wie ein Weltmeister, aber wenn die Holzlatten zum vierten Mal umfallen oder er ein Werkzeug nur von einem Eck ins andere trägt, war das so nicht immer geplant.“ Dann wurde aus der Panne Präzision.

„Es sind Figuren wie Bayrhammer, die viel Ansehen nach Bayern geholt haben, obwohl sie sich nicht als Lederhosen-Heinis präsentiert haben“, sagt König. Gustl Bayrhammer, das alte München, Geschichten, die ans Herz gehen, und eine Portion bayerische Lebensfreude – daran bleiben Kinder wie Erwachsene bis heute kleben. Koboldsgesetz. (sco)

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