Gute Mischung aus Witz und Gefühl

- Keine falschen Erwartungen. Wenn eine Wohltätigkeitsorganisation zwei Wochen vor Weihnachten eine Gala zugunsten kranker Kinder veranstaltet, im festlich geschmückten Münchner Prinzregententheater, mit so viel Prominenz, dass nach der Pause die Ordner ihre liebe Not haben, die Zaungäste der Bedeutendheit wieder in den Saal zu bekommen, dann ist klar: Die beunruhigenden Aspekte der Kunst werden da nicht im Vordergrund stehen.

<P>Dann ist Opulenz gefragt, und ein bisschen Gefühligkeit darf auch sein. Die Weihnachts-Benefiz-Gala der Europahilfe für Kinder e. V. wartete also mit einem Programm auf, das dem Wunsch nach Festlichkeit angemessen war. </P><P>Und auch wenn sich Dieter Thomas Heck über sein Engagement für rückenmarksgeschädigte Kinder in Estland so in Rührung redete, dass er die nächste Anmoderation vergaß, wenn das angekündigte pianistische Wunderkind auf dem Weg von der Klavierstunde zum Wunder sicher schon einige Schritte hinter, andere aber noch vor sich hat, wenn eine der vorgetragenen Weihnachtsgeschichten - von Karl Heinrich Waggerl - am Abgrund der politischen Unkorrektheit entlangschrammte, während eine andere mit erhobenem Zeigefinger ins genaue Gegenteil verfiel: Was und wie es interpretiert wurde, konnte sich hören lassen.</P><P>Veronica Cangemi sang das Alleluia aus Mozarts "Exultate, iubilate" mit der idealen Mischung aus Kraft und virtuoser Geschmeidigkeit. Elena Zhidkova wiegte mit Bach zart das Christuskind in den Schlaf, auch wenn in der schönen Dunkelheit ihres Mezzos manche Vokale nur schwer voneinander zu unterscheiden waren. Lucia Aliberti glänzte bei Mascagni und Puccini gestenreich mit Spitzentönen im Pianissimo. Auch alle übrigen Mitwirkenden von Francisco Araiza bis Jan Hendrik Rootering, die Münchener Symphoniker unter Heiko Mathias Förster und die Münchener Chorbuben musizierten mit Liebe.</P><P>Solchermaßen ernst genommen erwachten selbst die abgegriffensten Weihnachtslieder in den kitschverdächtigsten Arrangements zu vergnüglichem Leben: Als Cheryl Studer mit Primadonnen-Grandeur und einem Hauch Ironie zur winterlichen "Jingle Bells"-Schlittenfahrt aufbrach, stellte sich ein, was glücklicherweise auch bei einer solchen Veranstaltung möglich scheint: die rechte Mischung aus Witz, Charme und Sentiment. <BR><BR></P>

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