Ein gutes Händchen

München - Sönke Wortmann (48) ist als Regisseur mit "Der bewegte Mann" oder "Das Wunder von Bern" berühmt geworden und mischt seit Jahren auch als Produzent in der Filmszene mit.

 Mit dem Regisseur Christian Zübert hat er bereits bei drei Arbeiten produziert: "Lammbock" (2001), "Der Schatz der weißen Falken" (2005) und nun "Hardcover". Der Film über einen Autor von Schundheftchen und einen kleinen Gauner ­ mit Lucas Gregorowicz und Wotan Wilke Möhring ­ läuft am Donnerstag an. Wortmann sprach im Interview über die Vielfalt des Filmemachens.

-Wie arbeitet der Regisseur Wortmann als Produzent?

Ich bin sehr engagiert in der Drehbuchphase und beim Casting, weil ich mir da ein gutes Händchen zutraue. Bei den Dreharbeiten selbst bin ich dann hoffentlich überflüssig. Da ist Christian Zübert als Regisseur der Chef, und das sollte auch so bleiben.

-Woher kommt die Motivation des Künstlers, zusätzlich Produzent zu werden?

Mich interessieren alle Aspekte des Films. Wenn ich nur als Regisseur arbeiten würde, dann wäre ich nicht ausgelastet. Und es gibt genügend Filme, bei denen ich selbst nicht der richtige Regisseur wäre.

- Sieht man als Produzent die Filmarbeiten nicht völlig anders als ein Regisseur, nämlich von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus?

Der wirtschaftliche Standpunkt kommt bei uns in zweiter Linie. Natürlich hoffen wir, dass den Film möglichst viele Leute sehen, aber erstmal muss er uns gefallen. Bei dem Projekt "Hardcover" war das so. Es hat einfach großen Spaß gemacht, das Drehbuch zu lesen.

- Sie produzieren Ihre Filme immer mit dem Fernsehen zusammen. Kann man heute überhaupt noch einen Kinofilm ohne Beteiligung eines Fernsehsenders machen?

Irgendwie geht es immer. Aber wir wollen unsere Mitarbeiter bezahlen. Ich finde das gar nicht schlimm, auch beim Fernsehen gibt es kreative Leute, die gute Ideen haben. Aber es ist nicht so, dass wir uns den Wünschen des Fernsehens unterordnen.

Wie weit sind die Vorbereitungen zu Ihrem nächsten Regiewerk, dem Historienfilm "Die Päpstin", gediehen?

Wir fangen gerade erst an, es gibt wirklich noch nicht viel zu sagen. Kürzlich war ich auf Motivsuche im Osten Deutschlands. Wir planen, im August, September, Oktober zu drehen.

Ursprünglich sollte Volker Schlöndorff, der sieben Jahre lang an dem Spielfilmprojekt gearbeitet hatte, die Regie für die "Päpstin" übernehmen. Doch der überwarf sich mit der Produktionsfirma und verlor den Auftrag. Wie schwer fällt es Ihnen, nun den Kollegen zu ersetzen?

Das fällt deswegen nicht schwer, weil Volker Schlöndorff seinen Job ja nicht meinetwegen verloren hat. So ist das halt. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Wenn ein Bundesligaverein seinen Trainer entlässt, dann geht irgendwann der nächste hin und übernimmt den Job ­ die Welt dreht sich weiter. Ich habe da kein schlechtes Gewissen, und Volker hat mir nicht ansatzweise das Gefühl gegeben, dass ich eins haben müsste.

Das Interview führte Wolf von Dewitz

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