Ein gutmütiger Mensch

- Wollte heute jemand in München im "Brandner Kaspar" den Boandlkramer geben, er müsste sich mit Toni Berger (81) messen lassen. Und hätte wohl Schwierigkeiten, die zum "Original" gewordene Figur aus den Köpfen der Kenner hinauszuspielen und ihnen eine eigene, ähnlich kongeniale Gestalt einzupflanzen.

<P>Genauso geht es jetzt Toni Berger mit einer anderen Rolle. Ab 16. November steht er als Meister Eder auf der Bühne: in Pumuckls "Weihnachtsfest" in der Komödie im Bayerischen Hof. Wer sähe da in Gedanken nicht sofort Gustl Bayrhammer als den legendären Schreinermeister vor sich? </P><P>Natürlich geht es Toni Berger ebenso, und die Tatsache, dass er bei den Pumuckl-Verfilmungen des Bayerischen Fernsehens neben Bayrhammer mitspielte, macht es nur schlimmer. "Ich hab's wirklich schwer damit", seufzt der schmal gewordene, ernst blickende Mann und erzählt von der gemeinsamen Vergangenheit: "Bayrhammer und ich haben als Schauspieler zusammen angefangen, dann haben sich unsere Wege getrennt, und 1972 sind wir uns in München wieder begegnet."</P><P>Auf keinen Fall will Berger den Bayrhammer nachspielen. Er sucht nach neuen Möglichkeiten für die Rolle. Aber wie? "Ich versuche, mich auf der Bühne einfach wegzukonzentrieren. Außerdem hilft mir, dass es _ ich hab ja ein bisserl abgenommen _ keine Kostümähnlichkeit gibt." Doch Berger wirkt nicht, als ob er so bald mit sich als Meister Eder zufrieden wäre. "Schrecklich", antwortet er nur barsch auf die Frage eines Ensemblemitglieds, wie es denn gehe. Berger graut's noch besonders vor den vielen Textpassagen, die sich mit kleinen Variationen wiederholen und die man so leicht verwechselt.</P><P>Aber er scheint diesen Meister Eder gut zu verstehen: "Er ist ein gutmütiger Mensch. Er lebt ja alleine, ist aber plötzlich mit diesem Kobold konfrontiert. Natürlich darf der nicht bleiben! Doch langsam nähert man sich einander an und findet sich auch nett. Obwohl der Pumuckl mit seinem Schabernack die Kunden aus der Schreinerei vergrault." Das alles gefällt dem Schauspieler ganz offensichtlich.</P><P>Den Schabernack des Rotschopfigen treibt auf der Bühne Eleonore Daniel. Klein und wendig wie sie ist, darf sie auf der Werkstattlampe schaukeln und zwischen Tischbeine kriechen. Auch sie will nicht Hans Clarin _ vielmehr seine Stimme _ imitieren, vielleicht nur hin und wieder einen Krächzer zitieren. Weil der Kobold im Film eine Zeichentrickfigur ist, hat Daniel einen Vorteil: Das Film-Vorbild schränkt sie kaum ein, sie muss die Rolle ohnehin erst spielbar machen.<BR>Geholfen hat dabei Gerold Theobaldt, der zusammen mit Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut die Bühnenfassung der Geschichte schrieb, die in München in der Inszenierung von Peter M. Preissler ihre Uraufführung hat.</P><P>Infos: Tel. 089/ 29 16 16 33. <BR><BR></P>

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