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Guttenberg über sein TV-Comeback: „Ich habe lange mit mir gerungen“

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Von: Christian Deutschländer, Stefanie Thyssen

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Karl Theodor zu Guttenberg hat eine Doku über Putin gedreht
Wieder im Rampenlicht: Karl-Theodor zu Guttenberg ©  RTL / Insa Rauscher/i&u TV

Als Politstar einst gefeiert, durch eine Plagiatsaffäre zu Fall gebracht – das Leben von Karl-Theodor zu Guttenberg wäre (und war!) selbst reif für eine Verfilmung. Aber der 50-Jährige hat sich entschieden, auf die andere Seite der Kamera zu wechseln. Für RTL hat er eine Doku über Putin gedreht, gemeinsam mit Thomas Gottschalk wird er zudem den Jahresrückblick moderieren - „KT“ ist zurück im Rampenlicht! Ein Gespräch.

Wann ist die Idee entstanden, auf die andere Seite der Kamera zu wechseln?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Vor etwa zwei Jahren. Ich habe mir die Frage gestellt: Gibt es in einer Welt voller Umbrüche die Möglichkeit, ein wenig von den Erfahrungen, die man selbst machen durfte, weiterzugeben? Ich habe dann lange mit mir gerungen, ob die andere Seite der Kamera der richtige Weg ist und ob ich wieder in die Öffentlichkeit zurück möchte. Aber wir leben in Zeiten, in denen wir bei vielen Themen drohen, mit einer hohen Geschwindigkeit auf Abgründe zuzurasen. Ich glaube, wir alle haben die Aufgabe, einen Beitrag zu leisten. Etwa Erfahrungswerte, aber auch Erklärungsversuche den Menschen mitzugeben.

Für Ihre erste Fernsehdokumentation haben Sie sich gleich Wladimir Putin vorgenommen. Warum gerade ihn?

Guttenberg: Das erklärt sich letztlich aus diesem Jahr heraus. Der Umstand, dass wir wieder Krieg in Europa haben, schreit geradezu nach Erläuterungen und Erklärungen – auch wenn es keine einfachen Antworten gibt.

Das ist in der Tat der rote Faden Ihres Films: die Frage, wie es so weit kommen konnte. Haben Sie eine Antwort gefunden?

Guttenberg: Es ist vor allem eines nicht: der große Plan, der sich bereits bei Putins Machtübernahme im Jahr 2000 abgezeichnet hätte. Es ist ein Mosaik, ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Einer ist aber sicher das Verständnis Putins, wie sich klassische Machtelemente nutzen lassen. Ein zweiter ist die Schwäche des Westens, dies zuzulassen.

Sie haben für Ihre Doku starke Gesprächspartner: Experten, russische Oppositionelle, aus der deutschen Politik sprechen Sigmar Gabriel, Theo Waigel, Volker Beck. Wollten Sie Gerhard Schröder, Angela Merkel und Markus Söder nicht oder wollten die nicht mit Ihnen?

Guttenberg: Wir haben uns sehr intensiv die Frage gestellt, ob sie Gesprächspartner wären, von denen wir einen echten Mehrwert erwarten können. Wir wollen mit der Doku ja neue oder zumindest andere Schattierungen von Antworten liefern.

Und die wären von den drei Besagten nicht gekommen, meinen Sie?

Guttenberg: Die Person Schröder und sein Verhalten ist in den vergangenen Wochen und Monaten ausgiebig ausgeleuchtet worden. Angela Merkel hat sich geäußert und nicht geäußert, meistens nicht geäußert. Vor diesem Hintergrund waren Anfragen von uns gar nicht die Anstrengung wert.

Fehlt noch Söder. Haben Sie bei ihm auch sozusagen journalistisch kapituliert?

Guttenberg: (Lacht.) Nein. Markus Söder ist nun wirklich kein expliziter Außenpolitiker, das ist das eine. Und ich glaube nicht, dass er einen fundamental neuen Beitrag zu dem geleistet hätte, was wir ohnehin erzählen.

Das zweite Engagement für RTL ist der Jahresrückblick zusammen mit Thomas Gottschalk. Wie bitte kam es dazu? Was verbindet Sie beide – außer der gemeinsamen fränkischen Heimat.

Guttenberg: Das ist ja schon enorm viel. (Lacht.) Wir kennen uns sehr lange und wir mögen uns.

Sie waren auch schon zu Gast bei „Wetten, dass...?“

Guttenberg: Ja, aber das war in einer Zeit, die Gott sei Dank lange, lange her ist.

Okay, zurück zum Jahresrückblick.

Guttenberg: Gerne. Es ist einfach so, dass Günther Jauch aus sehr nachvollziehbaren Gründen sein Engagement für den Jahresrückblick beendet. Dann kam die Anfrage an mich, die für mich zunächst überraschend war. Gleichzeitig zeichnete sich damals schon ab, dass das Jahr 2022 ein Jahr werden würde, das sich nicht allein unter Unterhaltungs-Gesichtspunkten beschreiben lässt und dass es eines Einblicks in diese geopolitischen Umbrüche bedarf. Dabei bin ich sehr gern behilflich.

Sie sind sozusagen die Michelle Hunziker des Jahresrückblicks, dafür zuständig, dass es nicht völlig aus dem Ruder läuft.

Guttenberg: Ganz bestimmt nicht. Allein schon der Vergleich von „Wetten, dass...?“ mit dem Jahresrückblick ist mit verwegen noch milde umschrieben. Viele Themen sind von einer ganz anderen Ernsthaftigkeit.

Sie haben kürzlich gesagt, es gehe Ihnen bei Ihrer Arbeit fürs Fernsehen nicht ums Rampenlicht. Für die Doku nehmen wir Ihnen das ab – aber wo Gottschalk ist, sind immer Scheinwerfer. So schlimm kann Rampenlicht für Sie also doch nicht sein.

Guttenberg: Nein. Aber ich schaue schon sehr genau, wie inflationär – oder eben auch nicht – ich mich dem Rampenlicht stellen will. Der Jahresrückblick findet nur einmal im Jahr statt. Und mein Privatleben halte ich sowieso raus. Und ich kenne die Risiken.

Die wären welche genau?

Guttenberg: Beispielsweise, dass man auch mit relativer Wucht scheitern kann. Mit einem unbedachten Satz, der in einer Live-Show immer passieren kann, löst man heutzutage sehr schnell das aus, was unter dem Begriff Shitstorm umschrieben wird. Dessen muss man sich bewusst sein. Das muss auf der anderen Seite aber auch nicht bedeuten, dass man in Schweigen verfällt. Die Balance ist das Entscheidende.

Und was ist mit dem grellen Rampenlicht der Politik? Juckt es Sie manchmal?

Guttenberg: Nein. Mich braucht da draußen keiner mehr. Ich bin ein Beobachter der Politik. Und werde einen Teufel tun, meinen Nachfolgern gute Ratschläge zu geben. Ich bin manchmal schon erstaunt, wie schnell heute politisch Verantwortliche verdammt werden, wie schnell wir sind in dieser Empörungskultur. Und das in einer Situation, für die es historisch wenige Beispiele gibt.

War es ein Fehler Ihrerseits, die Wehrpflicht auszusetzen?

Guttenberg: Die Umstände waren damals komplett andere. Hätte ich damals 100 Milliarden Euro Sondervermögen gehabt, wäre meine Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Aber es gab ein Spardiktat. Das war die Grundlage für die Entscheidung damals.

Zum Schluss der Blick nach vorne: Werden wir 2023 das Ende des Kriegs in der Ukraine erleben? Zumindest den Waffenstillstand?

Guttenberg: Ich hoffe, dass wir 2023 tragfähigen Lösungen näherkommen. Aber die Hoffnung muss sich an der Realität messen lassen. Das Potenzial, dass wir es hier mit einem langfristigen Konflikt zu tun haben, ist leider sehr hoch.

Das Gespräch führten Stefanie Thyssen und Christian Deutschländer.

Sendehinweis: Die sehenswerte Doku ist ab dem 30. November bei RTL+ abrufbar. Den diesjährigen Jahresrückblick mit Thomas Gottschalk und Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt RTL am 11. Dezember ab 20.15 Uhr.

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