Haare auf dem Bogen

- Er spielt eine "Kreutzer"-Stradivari, und bereits Ludwig van Beethoven konnte die Klänge dieses außergewöhnlichen Instrumentes vernehmen. Kein Wunder, dass Maxim Vengerov diese Geige über alles liebt. Die enge Verbundenheit zu seinem Instrument war auch im Münchner Herkulessaal zu spüren. Mit einem Funkeln in den Augen und dem Schalk im Nacken betritt der 30-Jährige die Bühne und nimmt sein Publikum sofort für sich ein. Souverän und entspannt, ganz privat, so als spielte er hier für eine kleine Abendgesellschaft und nicht im ausverkauften Auditorium. Auf ein Einstimmen mit seinem, ihn wunderbar intelligent und einfühlsam durch das Konzert begleitenden Pianisten Ian Brown verzichtet Vengerov. Blitzschnell beginnt er, und das lustvolle Beherrschen der Violine wird sofort deutlich.

Johannes Brahms steht im ersten Teil auf dem Programm. Bereits im c-moll Scherzo signalisiert Vengerov, dass es ein temporeicher Abend wird. Mit nuancierter Intensität ließ er die so genannte Regenlied-Sonate folgen. Wunderbar sehnsuchtsvoll musizierte Vengerov darin das empfindsame Adagio mit seiner zarten Vorhaltemotivik aus. Passion pur. Konzerte mit Vengerov haben sowohl etwas von tiefer Leidenschaft als auch Vergnüglichem. <BR><BR>Nach der Pause widmete er sich legendären Komponisten, die allesamt Geiger waren. Henri Wieniawski, für Vengerov der Chopin der Geige, dem geistreich-eleganten Fritz Kreisler und natürlich dem Teufelsgeiger Niccolo Paganini. Einzige Ausnahme: die Vocalise des eingefleischten Pianisten Rachmaninow. <BR><BR>Vengerov, der in der russisch-expressiven Schule wurzelt, spielt mit einer phänomenalen Technik und Fingerfertigkeit. Mit charmanten Zwischenmoderationen präsentierte er sein Programm. Nachdem bei Wieniawskis "Scherzo-tarantelle" sein Bogen einige Haare ließ, meinte er nur verschmitzt: "Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe genug Haare auf dem Bogen." Irgendwann fragte er: "Müde?" Auf das allgemeine Nein folgten noch ein paar Zugaben und dann: "Danke! Sie waren ein wundervolles Publikum."<BR><BR>

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