Haare des Rockfans

- Was war zuerst da: die Kunst oder der Künstler? Nicht wenige Arbeiten der fünf jungen Förderpreisträger in der Münchner Galerie der Künstler erwecken den Eindruck, als sei es nun, nachdem der Mensch sich seine Umwelt zum bildnerischen, architektonischen, kommunikativen Umfeld gemacht hat, an der Zeit, die emanzipierte Kunst wieder mit ihren Machern zu konfrontieren. Und aus dieser Begegnung wiederum neue Arbeiten entstehen zu lassen: künstlerische Selbstbildnisse.

<P>Cora Piantoni, die mit dem Sonderpreis Fotografie ausgezeichnet wurde, schmuggelt sich auf ihren Fotos als statisches oder ornamentales Element in Arkaden, Treppen, Mauern. Sie ahmt die leblosen Bauwerke nach, versucht sich an der in ihrer Einfachheit faszinierenden Symbiose, schafft Suchbilder aus Mensch und Architektur.<BR><BR>Das Besondere im Alltag</P><P>Einen ähnlichen Eindruck vermitteln die Filme Marco Schulers: In unermüdlicher Monotonie gräbt er sich in eine Wiese oder springt - alle elf Sekunden wiederholt - gegen einen weißen Plastikquader. Der Künstler als Macher, Betrachter, Zerstörer. Aber auch: als Instrument seiner Kunst. So wundert sich Wolfgang Stehle über ein Kommunikationszeitalter, in dem Verhaltensweisen wiederholt werden wie die Muster auf Stehles 50er-Jahre-Tapete, die eine Diaprojektion mit schwarzem Filzstift vergeblich zu vervollständigen sucht. Auf drei Bildschirmen ziehen die Haare eines Mannes unendliche Schlangenlinien - ein Rockfan kopfschüttelt im Takt die Schallwellen weiter.<BR><BR>Entfernt von einer solchen Abstraktion stehen die fotografischen Arbeiten Martin Fengels. Doch auch er sieht Kunst dort, wo sie nicht offensichtlich ist, hält das Besondere in der Alltäglichkeit fest: den liegen gelassenen gelben Pinsel, die aufgehängten bunten Plastikeimer. Die Menschen hinter Fengels Bildern sind erst durch die Abfotografie zu Künstlern geworden, ein jeder kann ein Kunstschaffender sein. Das ist auch die Botschaft von P.L.A.N. (Planungszelle, Liquidität, Art Transfer, Nachhaltigkeit), dem Projekt, das 2000 von Karin Bergdolt ins Leben gerufen wurde. "Der Dialog ist das Material", sagt die Künstlerin. Es gebe "so viele Ebenen, die man bei den Menschen anspricht", daher arbeitet Bergdolt auf vielfältigste Weise: schreibt, filmt, zeichnet, fotografiert - sammelt Ideen und spielt mit ihnen. Ihre Kunst ist eine "Kunst des Öffentlichen", das sei anders als im Museum.<BR><BR>So präsentieren die Bayerischen Kunstförderpreise 2004 einen besonderen, sekundären Umgang mit der Kunst: Der Künstler befragt nicht, er antwortet (s)einer Kunst. Mit lebendigem Selbstbewusstsein.</P><P> Bis 27. Februar, Maximilianstr. 42, Tel. 089/ 21 99 60 0; www.muenchen-oberbayern.bbk-bayern.de.</P>

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