Hackbrett-Tupfer

- Stets sind Komponisten auf der Suche nach neuen Klangfarben, die dann in der zeitgenössischen Musik meist durch exzessiven Gebrauch des Schlagwerks aufscheinen. Georg Katzer, dessen Opus " . . . die Leier drehn . . ." vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks beim musica-viva-Konzert aus der Taufe gehoben wurde, setzte zudem auf Unterstützung vom Mischpult, was sich nicht unproblematisch gestaltete.

Mehr Fragen als Antworten

Wenn sich nämlich wie hier elektronische Effekte einem Tinnitus gleich in die Gehörgänge eingraben und so über Minuten die Konzentration erschweren, erweist sich das Experiment leider als kontraproduktiv. Was doppelt schade war, da Katzers Komposition dem Zuhörer im direkten Vergleich wesentlich mehr anzubieten hatte als die Werke, die das Programm ergänzten.

Wo Katzer durch verfremdete Tonzuspielungen das Abbild einer technisierten Welt zeichnete, schlug die zweite Uraufführung einen gänzlich anderen Weg ein. Walter Zimmermanns "Seiltänze" für Cello und Orchester haben ihre Wurzeln in der fränkischen Volksmusik. Ein ländliches Idyll beschwört Zimmermann damit dennoch nicht herauf, da er die Motive meist so dekonstruiert, dass vom Lokalkolorit kaum mehr bleibt als die eingestreuten Klänge von Hackbrett und Akkordeon, die hier das Orchester anreicherten. Letztlich kamen diese Farbtupfer im diffusen Klangbild aber ebenso schwer zur Geltung wie die Balanceakte, die Lucas Fels auf den Saiten seines Cellos vollführte.

Schien Dirigent Lucas Vis bei den "Seiltänzen" oft ins Schwanken zu geraten, zog er die Zügel nach der Pause fester an und spielte gekonnt mit den räumlichen Effekten, die den Reiz von Emmanuel Nunes' "Musivus" ausmachten. Da entsponn sich in dem in vier Gruppen aufgeteilten Orchester ein virtuoses Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem am Ende aber auch mehr Fragen offen blieben, als Antworten gegeben wurden.

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