Chaos-WG: Michaela Schaffrath, Hans Jürgen Bäumler, Werner Michael Dammann und Mogens von Gadow (v.li.) F: Weimer

Häppchen für den kleinen Lachhunger

München - René Heinersdorffs „Zärtliche Machos“ hatten in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere. Lesen Sie hier die Kritik:

Männer-WGs haben zurzeit Konjunktur in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof. Nach Baryllis „Butterbrot“-Kumpels halten nun Vater, Großvater und Sohn in verschworen weibloser Wohngemeinschaft zusammen. Aber Autor und Regisseur René Heinersdorff lässt dann doch die Männer-Family durch ein resolut-knackiges Frauenzimmer aufmischen: „Zärtliche Machos“ – eine Co-Produktion mit Heinersdorffs Theater an der Kö Düsseldorf – hat das Münchner Premieren-Publikum hörbar begeistert. Ergo strahlende Gesichter von Hans Jürgen Bäumler, Mogens von Gadow, Werner Michael Dammann und Michaela Schaffrath.

Den Düsseldorfer Theaterchef Heinersdorff, Sprössling einer Theaterfamilie – die lange erfolgreich die ehemalige Münchner Kleine Komödie am Max II leitete – kennt man als vielbeschäftigten Schauspieler und Regisseur für Bühne und Fernsehen („Die Camper“). Nebenbei ist er auch Direktionsmitglied des Kölner Theaters am Dom. Ein Energiebündel, ein Multiaktions-Mann. Für die gelegentliche Autorschaft fehlt aber offensichtlich doch die Zeit. Nicht länger drum herumgeredet: Die „Machos“ wirken wie schnell hingeschrieben. Mehr als schlank die Handlung: Nachbarin Cecilia, wegen ihres privaten Kleinzoos von Vermieter und Amtsgericht bedroht, nistet sich bei den Machos ein und weckt, erwartbar, verdrängte Gefühle/erotische Triebe. Ziemlich mager die Pointen, praktisch Fastfood-Partyhäppchen für mitgebrachten Lachhunger.

Ein Glück für Heinersdorff, dass seine Crew aus diesem Spielmaterial dennoch etwas macht. Zwischen Skat spielen und mosern gegen die Zugezogene profiliert sich Opa Mogens von Gadow als knorriges Seniorenschlitzohr: Dem Sohn versalzt und verpfeffert er das Verführungsmenü für Cecilia. Sentimentalitäten und Jugendüberheblichkeit seiner Kleinsippe holt er trocken auf den Boden seiner Lebenserfahrung. Werner M. Dammann gibt, wohl so gewollt vom Regisseur, einen etwas penetrant dirigistischen Junior. Und Papa Hans Jürgen Bäumler – seine einstige Eiskunstlaufkarriere verjüngt ihn heute – erliegt mit verquer-komischem Charme der Nachbars-Circe Cecilia. Michaela Schaffrath, herzhaft-burschikos im Spiel, ist ein Hingucker vom hübschen Kopf über den kurvig verlängerten Rücken bis zu den Superbeinen. Einhellige Publikumsreaktion: „Aaahhh!“

Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen bis 8. 9.; Tel. 089/29 16 16 33.

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