Hässliche Gefahr

- Der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz (1904-'69), Formen-Zerbrecher, Avantgardist der 30er-Jahre, erschrieb sich als Dramatiker Ruhm vor allem durch "Yvonne, Prinzessin von Burgund" (1935), ein bitterböses Märchen über Gruppenzwang und menschliche Niedertracht. In München inszenierte es zuletzt 1980 Ingmar Bergman am Residenztheater. Kühnen Muts hat jetzt die Regiestudentin der Bayerischen Theaterakademie Charlotte Van Kerckhoven "Yvonne, die Burgunderprinzessin" auf die Akademietheater-Bühne gestemmt - und sich verhoben.

<P class=MsoNormal>Ein Trost: als Diplom-Inszenierung, wenn auch wichtig, war's noch keine knallharte Berufswirklichkeit. "Darf mir eine Hässliche etwa nicht gefallen? Ist das ein Gesetz?", bockt Prinz Philipp, aus reiner Lust am Sensationskick frisch verlobt mit Yvonne, hässlich, lethargisch, geschlechtslos. Ein blasierter Adelsspross, mit ein paar Prozent Hamlet und Leonce im aufmüpfigen Blut, das scheint ein Stoff für junge Theatermacher. </P><P class=MsoNormal>Aber letztlich - und d a s wäre die zu knackende Nuss - will das Stück zeigen, wie Yvonne, in ihrer schweigsamen plumpen Präsenz ein schreiender Widerspruch zu Umgangsform und Schönheitskult des Hofes, den anderen zum Mahnmal der eigenen vertuschten Fehler und Schwächen wird. Wie sie eine Entlarvung in Gang setzt und deshalb ausgemerzt werden muss.</P><P class=MsoNormal>Bei Van Kerckhoven und Bühnenbild-Studentin Evelyn Schunn plappern schon in den ersten Sekunden aus den Peepshow-Fenstern des mit WC-Graffiti beschmierten schwarzen Halbrunds nur Puffmuttis, Dekadenz-Krüppel, Mörderbubis - darstellerisch gesehen papierene Leichtgewichte, die keine Spannung mehr aufbauen. Gombrowicz' Figuren brauchen Konturen. Ein bisschen etwas von Shakespeare, ein bisschen Alfred Jarry. Und das muss man sprachlich hart erarbeiten. Hier wird Text gesprochen: ordentlich von Gerrit Selmeier als Prinz, ansonsten brav, gelegentlich als Laientheater - so als ob die Regisseurin ihr Team nicht wirklich überzeugt hätte. Glück für sie, dass Martin Wißner seiner mehr oder weniger inszenierten Yvonne eine sonderbar fesselnde Qualität zu geben weiß.</P>

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