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Uwe Kröger in natura und in der Rolle der Edna.

Haispray-Star Kröger: "Sie ist wahnsinnig schön"

München - Ab 3. Juli ist Uwe Kröger im Deutschen Theater in "Hairspray" zu sehen. Mit dem Münchner Merkur sprach der Musicalstar über seine Rolle als übergewichtige Mama.

Wenn es in der deutschen Musicalszene einen Mann gibt, der das Prädikat „Star“ verdient hat, dann wohl Uwe Kröger. Ganze 13 Mal wurde er von den Fans bereits zum beliebtesten Musicaldarsteller gewählt. Doch so wie im Kultmusical „Hairspray“, das ab 3. Juli im Deutschen Theater läuft (Neuinszenierung), hat man ihn bislang wohl noch nie erlebt. Dort wird er nämlich in die Rolle der Edna Turnblad schlüpfen und damit unter anderem in die Fußstapfen von John Travolta treten, der die übergewichtige Mutter in der Kinoversion verkörperte.

War die Edna so etwas wie eine Traumrolle, oder kam das eher zufällig?

Eigentlich war es eine Idee von unserem Regisseur Andreas Gergen, mit dem ich letzten Herbst in Salzburg „The Sound of Music“ gemacht habe. Er hatte mich während der Proben gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, und ich habe darüber nur geschmunzelt. Weil ich das Stück schon in New York gesehen hatte und mir sofort gedacht habe, dass das eine ziemlich coole Sache wäre. Ich war mir nur nicht ganz sicher, ob man mich wirklich so verkleiden kann.

Einige Fans haben Sie auf den ersten Werbebildern zunächst angeblich gar nicht erkannt. Hilft so ein extremes Make-up, um sich besser in einen Charakter hineinzufinden?

Ich war schon mal in einer ähnlichen Situation, als ich „Das Phantom der Oper“ oder „Die Schöne und das Biest“ gespielt habe. Mir ist es immer wichtig, auf den Proben früh Maske und Kostüm zu haben. Wie jetzt eben die Frauenschuhe oder den Fatsuit (Ganzkörperkostüm, das dick macht; d.Red.), weil man sich damit einfach anders bewegt und so sicher auch schneller in die Figur eintaucht.

Wobei im Falle der Edna ein wenig Mut zur Hässlichkeit dazugehört...

Also ich finde sie wahnsinnig schön. Diese Figur ist von ihrer Seele her ein so schöner und liebenswerter Mensch, der nur darauf wartet, wachgeküsst zu werden. Ein bisschen wie die Raupe, die zum Schmetterling wird. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich einfach als das annimmt, was man ist. Auch wenn man jetzt nicht dem Schönheitsideal von Heidi Klum und ihren Topmodels entspricht. Edna hat sich ursprünglich damit abgefunden, dass ihr Leben nur daraus besteht, anderen Leuten die Wäsche zu waschen. Aber mit der Hilfe ihrer Tochter entwickelt sie auf einmal ein ganz neues Selbstbewusstsein und wird gewissermaßen endlich erwachsen. Das aus einer Figur herauszukitzeln, finde ich unglaublich spannend.

Auch weil die Edna jetzt nicht unbedingt zum Bild passt, das viele von Ihnen haben?

Wenn es geht, versuche ich eigentlich immer, mir Rollen auszusuchen, die das Publikum ein Stück weit überraschen. Auch, wenn ich manchmal darum kämpfen muss. Und je weniger es sich die Leute am Anfang vorstellen konnten, umso mehr Spaß hat es dann immer gemacht, die Rollen zu spielen und auch neue Seiten an mir zu entdecken.

„Hairspray“ ist in den bunten 60ern angesiedelt. Anders als bei „Grease“ steht hier aber nicht die verklärende Nostalgie im Vordergrund.

Nein, ich finde das Stück gerade heute sehr aktuell, wenn wir an die Schönheitsideale denken, die man derzeit im Fernsehen kommuniziert. Die Dicken werden immer als lustig abgestempelt oder haben halt Mut zur Hässlichkeit. Weiter kommen in den ganzen Castingshows letztlich dann aber doch jedes Mal nur die „Schönen“. Das scheint das Einzige zu sein, was zählt.

Ganz im Gegensatz zu „Hairspray“, wo am Ende ja nicht unbedingt nur die Paare zusammenfinden, die man in einem Musical erwarten würde.

Es ist ein unglaublich witziges und intelligentes Stück. Weil es zum einen mit vielen Klischees bricht, aber gleichzeitig auch schwierige Themen wie Diskriminierung und Rassismus aufgreift. Es zeigt, dass es eine Zeit gab, in der viele Freiheiten, die wir heute für selbstverständlich halten, keineswegs für jeden Menschen galten. Und das ist noch gar nicht so lange her. Deshalb finde ich es wichtig, dass man immer wieder mal so ein Stück spielt oder Geschichten liest, die einem das ins Gedächtnis zurückholen. Und wenn man das noch mit flotter Musik und einer witzigen Story verpacken kann, geht es eben leichter.

Das Gespräch führte Tobias Hell

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