Den Hallodri bändigen

- Fernsehserien wie "Drei sind einer zu viel" und "Ich heirate eine Familie" machten ihn einem breiten Publikum bekannt. Herbert Herrmann hat aber eigentlich am Theater begonnen. Als Regisseur und Hauptdarsteller ist er nun in "Das glückliche Paar" von Curth Flatow zu sehen. Premiere ist morgen in der Komödie im Bayerischen Hof. Er und Nora von Collande spielen ein Promi-Paar, das in einer TV-Serie eine Traumehe führt, während es hinter den Fassaden mächtig kriselt.

<P>Sie stehen hier mit Ihrer Lebensgefährtin Nora von Collande auf der Bühne. Wie funktioniert das, als Paar ein Paar zu spielen? <BR><BR>Herrmann: Auf der Bühne sind wir nur Kollegen, das geht gar nicht anders. Ich bin als Regisseur mit Nora genauso gnadenlos wie mit allen anderen Kollegen. Auch zu Hause arbeiten wir meistens getrennt. Als Schauspieler ist es natürlich wunderbar, mit ihr arbeiten zu können. Paare, die gemeinsam vor der Kamera stehen, haben eine lange Tradition. Ich denke da zum Beispiel an Heinz Rühmann und Hertha Feiler.<BR><BR>Das Stück nimmt die Fernsehbranche aufs Korn. Ist das reine Satire, oder ist da ein Fünkchen Wahrheit dran?<BR><BR>Herrmann: Der Hauptdarsteller und Serienheld ist einer dieser schlimmen Hallodris, aber seine Frau ist sehr stark und weiß den Schlawiner zu bändigen. Das ist natürlich eine Karikatur dieser Scheinwelt. Man sehe sich doch nur mal so eine Oscar-Verleihung mit diesem ganzen Brimborium an. Diese Stars sitzen doch auch irgendwann mal auf dem stillen Örtchen und denken über sich nach. Allerdings möchten wir mit dem Stück nicht etwa den Berufsstand der Schauspieler in Misskredit bringen. Es geht dabei einfach um ein wenig Schadenfreude.<BR><BR>Sie werden dieses Stück fast zwei Monate lang jeden Abend spielen. Wie schaffen Sie es, dass sich keine Langeweile oder Routine einschleicht?<BR><BR>Herrmann: Indem ich mir jeden Abend eine Premierensituation vor Augen rufe. Für die Zuschauer, die sich schick gemacht und ihr Geld ausgegeben haben, soll es jedes Mal ein einzigartiges Ereignis sein. Daher ist es auch gut, dass ich als Regisseur jeden Abend dabei sein und aufpassen kann, dass kein Schlendrian einkehrt. Als Schauspieler werde ich natürlich genauso von meinen Kollegen korrigiert. <BR><BR>Sie sind im Fernsehen und im Theater gleichermaßen aktiv. Wo liegt für Sie als Schauspieler der Unterschied?<BR><BR>Herrmann: Das Theater ist natürlich völlig unmittelbar, bei einer TV-Produktion bekommt man erst ein halbes Jahr später Feedback. Das sind zwei ganz verschiedene Berufe für mich. Aber ich komme vom Theater, also ist das meine eigentliche Heimat.<BR><BR>Schauen Sie sich eigentlich selbst Komödien oder Soaps im Fernseher an? <BR><BR>Herrmann: Die deutschen Produktionen sind mir zu oberflächlich im Vergleich zu den amerikanischen. Da wird nämlich richtig hart dran gearbeitet. Ich bin ein großer Fan von Harald Schmidt. Der ist intelligent, politisch, frech. Mir gefällt auch, im "weicheren" Sinne, Thomas Gottschalk.<BR><BR>Wie schwierig ist es denn für Sie, komisch zu sein?<BR><BR>Herrmann: Wir sind ja nicht einfach komisch, wir wollen vor allem eine Geschichte fürs Publikum erzählen, aus deren Situationen sich Komik ergibt. Ich denke, die Zuschauer sind diese kurzen Comedy-Spots aus dem Fernseher leid. Bei uns können sie sich zwei Stunden lang zurücklehnen und verzaubern lassen.<BR><BR>Und was entgegnen Sie denen, die das Genre der Boulevard-Komödie als seichte Muse abtun?<BR><BR>Herrmann: Die können gerne ins Residenztheater oder in die Kammerspiele gehen. Ich finde es toll, wenn da Kunst gemacht wird. Wir machen Unterhaltung, das ist genauso legitim.</P><P>Das Gespräch führte Petra Schönhöfer</P>

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