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Reduzierte Farben, hochemotionale Bilder: Christopher Thomas fotografierte die Passion in Oberammergau (Frederik Mayet als Jesus und Ursula Burkhart als Maria).

Wie von der Hand der alten Meister

München - Das Bayerische Nationalmuseum zeigt Christopher Thomas’ Fotografien von der 2010er-Passion in Oberammergau - Bilder wie von der Hand alter Meister gemalt.

Unerträglich erdrückend ist sein Blick. So viel Leid, so viel Schmerz in den Augen des geschundenen Jesus kurz vor seiner Hinrichtung ist erschreckend – und beeindruckend zugleich, denn da ist dieser Hoffnungsschimmer…

Faszinierend sind die Fotografien, die Christopher Thomas bei der vergangenen Passion in Oberammergau aufgenommen hat. Faszinierend und völlig untypisch. Denn der Münchner Fotokünstler ließ die Massenszenen außer Acht, er konzentrierte sich für seine Ausstellung „Passion. Photographien der Passionsspiele Oberammergau 2010“ im Bayerischen Nationalmuseum auf einzelne Darsteller, auf Mitglieder im Chor, im Hohen Rat, auf die Händler im Tempel. Entstanden sind wuchtige Porträts, die auch die emotionale Essenz alles Menschlichen spiegeln. Die Laiendarsteller werden quasi zu biblischen Gestalten. Die Aufnahmen betonen Leid und Entsetzen, aber auch Erstaunen und Freude zusätzlich durch den Hell-Dunkel-Kontrast und das reduzierte Farbspektrum. Braun, Grau, Schwarz sind bevorzugten Töne der Porträts, die wiederum vor dunklem Hintergrund aufgenommen wurden.

Die Bilder wirken vertraut, wirken wie Gemälde und erinnern ganz bewusst an die alten Meister Caravaggio, Rembrandt, Tizian. Um diese Nähe zu erreichen, musste der Gemeinderat zustimmen, stand der Fotograf doch quasi auf der Bühne. Die Proben von April bis Mai 2010 behinderte er aber nicht, zu konzentriert waren die Schauspieler und Spielleiter Christian Stückl.

Jetzt schaut auf die Oberammergauer Maria Magdalena (Barbara Dobner), die liebevoll und fast gar erotisch das Kreuz umarmt, eine aus Lindenholz geschnitzte Muttergottes mit Kind aus Oberschwaben aus dem Jahr 1480: Die Fotos werden im Kirchensaal des Museums gezeigt, so treten die dort gezeigten mittelalterlichen Arbeiten in Dialog mit den zeitgenössischen. Der fast überladen wirkende Passionsaltar aus der ehemaligen Münchner Franziskanerkirche etwa steht in wunderbarem Kontrast zu den ruhigen, klaren, auf das Wesentliche reduzierten Fotografien. Altar und Bilder erzählen von derselben Botschaft – bei Thomas’ Aufnahmen lässt sie den Betrachter allerdings nicht mehr los.

Angelika Mayr

Bis 15. Januar, Telefon 089/ 21 12 401. Der im Prestel Verlag erschienene Bildband zur Ausstellung kostet 49,80 Euro.

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