Handelsverbot für Irak-Kunst

- "Die Tragödie war vorhersehbar und hätte verhindert werden können." Während mit diesen Worten der Vorsitzende von George W. Bushs Berater-Ausschuss für Kulturschätze, Martin Sullivan, der US-Regierung vorwirft, nicht genügend zum Schutz des irakischen Nationalmuseums getan zu haben, und wegen der Plünderungen seinen Rücktritt eingereicht hat, bemühen sich die UNESCO sowie Ermittler von FBI und Interpol fieberhaft darum, den Verkauf gestohlener irakischer Kunst zu verhindern.

UNESCO-Generaldirektor Kochiro Matsuura forderte den UN-Sicherheitsrat auf, eine Resolution zum Schutz der Kulturgüter zu verabschieden. Unterdessen schickten die USA FBI-Beamte in den Irak; Interpol will sobald als möglich Spezialisten entsenden. Für den 5. und 6. Mai hat Interpol zudem eine Konferenz am Sitz der internationalen Polizeiorganisation in Lyon einberufen, auf der ein schnelles und effektives Vorgehen beschlossen werden soll. Einige der gestohlenen Kunstobjekte sollen nämlich bereits in Paris aufgetaucht sein. Die UNESCO fordert nun ein internationales Importverbot für irakische Kulturgüter.

Schutzmaßnahmen für die musealen Kostbarkeiten des Irak sind offenbar dringend: Nach dem Golfkrieg von 1991 sollen bereits tausende von Kunstwerken aus dem Land geschmuggelt worden sein. Kurz darauf seien sie auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten worden. Verloren ging bereits möglicherweise eine Sammlung von etwa 80 000 sumerischen Tontafeln mit Bilderschrift. Auch die 4000 Jahre alte silberne "Harfe von Ur" ist verschwunden sowie eine wertvolle sumerische Vase aus Uruk und Bronze-Statuetten aus der akkadischen Epoche.

Die Plünderungen sind höchstwahrscheinlich von professionellen Diebesbanden aus dem Ausland organisiert worden. Die Iraker dürften selbst kaum in der Lage sein, den Transport der Objekte außer Landes zu organisieren. Daneben haben sich aber auch aufgebrachte Jugendliche und einfache Leute an den Diebstählen beteiligt.

Im Bagdader Nationalmuseum waren mehr als 170 000 Gegenstände aus Mesopotamien ausgestellt, wo vor über 5000 Jahren die Reiche der Sumerer, Akkader und Babylonier entstanden. Das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris wird als die "Wiege der Menschheit" angesehen.

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