Handke lehnt auch Alternativpreis ab

- Berlin/Düsseldorf - Der Schriftsteller Peter Handke will auch den "Berliner Heinrich Heine Preis" nicht annehmen, der ihm alternativ zum Düsseldorfer Preis angeboten wurde. Er plädiert aber dafür, ein eventuelles Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro "serbischen Enklaven" im Kosovo zur Verfügung zu stellen. Das teilten die Initiatoren des Berliner Preises, darunter die Schauspieler Käthe Reichel und Rolf Becker, im Berliner Ensemble (BE) mit.

Sie bezeichneten die Vorgänge um die gescheiterte Vergabe des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preises an Handke und die Haltung des Düsseldorfer Stadtrates dazu als einen "Angriff auf die Freiheit der Kunst". Handke selbst hatte den Düsseldorfer Heine-Preis nach den politischen Auseinandersetzungen um seine Person abgelehnt. Er wolle weder seine Person noch sein Werk weiterhin den "Pöbeleien" von Lokalpolitikern ausgesetzt sehen. Kritiker hatten Handkes Parteinahme für Serbien im Balkan-Krieg und insbesondere seine Haltung zum serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic angeprangert. Der Schriftsteller war auch zur Beerdigung Milosevics am 18. März nach Belgrad gekommen.

Der Düsseldorfer Stadtrat wollte auf seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag über den Fall und die Zukunft des Heine-Preises noch einmal debattieren. Nobelpreisträger Günter Grass hat angeregt, den Vergabe-Modus zu überdenken. Bislang behält sich der Stadtrat vor, die Entscheidung der Preisjury noch zu bestätigen.

Reichel nannte Handke einen "großen Schriftsteller und Sprachschöpfer", der von Düsseldorf jetzt für unwürdig gehalten werde, den Heine-Preis zu empfangen. "Das ist ein heuchlerisches Fußballspiel, ein Foulen."

BE-Intendant Claus Peymann unterstützt das Berliner Projekt ebenso wie unter anderem auch die Schauspieler Ben und Meret Becker, die Schriftsteller Gerhard Zwerenz und Daniela Dahn, der Kabarettist Dietrich Kittner sowie der Brecht-Schüler und frühere BE-Intendant Manfred Wekwerth. Peymann hat neun Handke-Stücke seit der "Publikumsbeschimpfung" vor 40 Jahren uraufgeführt.

Handke zeigte sich in einem Schreiben an die Berliner Initiatoren "berührt von Ihrer Geste", möchte aber doch "beiseitestehen" und betonte: "Bitte, kein Preis oder Alternativpreis für mich". Das eventuelle Preisgeld solle aber den serbischen Enklaven gegeben werden, die, wie die Berliner Initiatoren betonten, "von Stacheldraht umgeben sind und von Panzern geschützt werden müssen". Sie wollen versuchen, den Vorschlag umzusetzen, wie sie am Donnerstag betonten. Bisher seien schon über 18 700 Euro an Spenden für das Preisgeld eingegangen.

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