Christian Springer beim Interviewtermin. Foto: M. Westermann

Hang zum Gscheidhaferln

Der Kabarettist Christian Springer eilt durch die Welt. In Syrien war er bisher etwa „20 Mal, genau weiß ich es nicht mehr“. In seinem jüngsten Buch widmet er sich der arabischen Welt.

Sie haben Ihr Buch „Wo geht’s hier nach Arabien?“ Ihren Eltern gewidmet, die Ihnen „beibrachten zu reisen“. Wie geht das?

Meine Eltern hatten einen kleinen Obst- und Gemüseladen und mussten bis Samstagmittag arbeiten. Danach ging’s übers Wochenende raus - nach Südtirol, Rimini, zum Chiemsee, ins Karwendel, auch mal nach Ungarn. Baden und Berge. Mein Bruder und ich haben schon früh eine große Neugier entwickelt für andere Menschen und Sitten. Seit meiner frühesten Kindheit habe ich Koffer gepackt. Und das Bergsteigen ist mir ins Blut übergegangen. Ich war auch in Syrien schon bergsteigen - das würde ich heute aber nicht mehr machen.

Was fasziniert Sie an Syrien, dem Nahen Osten?

Ich hab ja einen Hang zum Gscheidhaferln, möchte alles ganz genau wissen. Diese Welt ist uns bis heute so fremd, obwohl wir viel schneller über dem Mittelmeer sind als in der Dominikanischen Republik oder Thailand. Hier ist die erste Schrift entstanden, die auf Wörtern, nicht auf Silben beruht. Die Wurzeln unserer Schrift! Hier kommen drei Weltreligionen her. Und wir? Wir denken an Korallenriffe, Bauchtanz und Sprenggürtel.

Gibt’s Ähnlichkeiten zwischen der bayerischen und der arabischen Mentalität?

Beide erzählen gerne. Die Wilderergeschichten und Storys aus dem Beduinenzelt sind nicht so weit auseinander. Und beide lieben Gemütlichkeit. Was bei uns Herrgottswinkel und Zirbelstube, sind dort Perserteppich und die Sitzkissen. Das Wohnzimmer ist voller Teppiche, und man kann sich so richtig schön in die Kissen flacken. Das ist doch was!

In Ihrem Buch beschreiben Sie, wie prominente Deutsche und Österreicher Kontakte mit diesem Kulturkreis haben. Mal komisch, aber auch ernst. Wie Alois Brunner, der Nazi und Juden-Schlächter …

Dem war ich ein paar Mal da unten schon sehr dicht auf den Fersen. Syriens ehemaliger Präsident Assad kannte Brunners Vergangenheit und stellte ihn in seine Dienste. Einmal verbrachte ich einen Tag auf einer Polizeiwache. Wenn ich ihn tatsächlich gefunden hätte, würde ich heute nicht mehr leben. Ich bin nicht ängstlich - außer meine Angst vor dem Meer -, aber in diesem Fall war ich es schon.

Ist Angst vor dem Islam berechtigt?

Die Kämpfe innerhalb der islamischen Welt sind viel größer und wichtiger als der angebliche Kampf gegen den Westen. Den gibt es nicht. Viele sehen vom hohen Ross auf die „Wüstenstaaten“ herab. Das ist Quatsch! Die machen Milliardengeschäfte mit Brasilien, China, Taiwan. In zehn Jahren wird die europäische Welt viel unwichtiger sein, als wir uns das heute vorstellen. Übrigens können wir uns auch nicht vorstellen, wie schmerzhaft ein Kamelritt ist...

Das Gespräch führte Matthias Bieber.

Christian Springer: „Wo geht’s hier nach Arabien?“ Blessing Verlag, München, 224 Seiten; 17,95 Euro.

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