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Hanna-Elisabeth Müller: Die gebürtige Mannheimerin kam direkt vom Münchner Opernstudio an die Staatsoper und begeisterte bei den Salzburger Osterfestspielen.

„Ich bin einfach so reingerutscht“

Von der Staatsoper zu den Opernfestspielen

München - Schwindlig werden könnte es einem: Kurz nach ihrer Zeit im Münchner Opernstudio wurde Hanna-Elisabeth Müller ins Ensemble der Bayerischen Staatsoper geholt. Nun spricht sie über ihre Gesangs-Anfänge und den Respekt vor Kollegen.

Bei der Staatsoper durfte Hanna-Elisabeth Müller schnell mit großen Rollen wie Pamina, Gretel oder Servilia auf die Bühne. Bei den vergangenen Salzburger Osterfestspielen feierte die gebürtige Mannheimerin unter der Leitung von Christian Thielemann einen Triumph als Zdenka in „Arabella“. Zu Kopf gestiegen ist das der 29-Jährigen, die bei den aktuellen Münchner Opernfestspielen im „Titus“ und in der „Frau ohne Schatten“ dabei ist, nicht – ganz im Gegenteil. Im Münchner Merkur spricht sie über ihren Erfolg.

- Mit elf Jahren Gesangsunterricht – das ist extrem früh.

Das war anfangs nur ein Hobby. Ich war im Chor. 1998 beim Kultursommer in Ludwigshafen habe ich in Bernsteins „Mass“ den Knabensopran gesungen. Damit fing alles an. Also hatte ich einmal pro Woche Unterricht. Ich wusste nichts Näheres über Oper oder übers Kunstlied. In meiner Familie hat keiner einen musikalischen Beruf, auch wenn alle Musikliebhaber sind. Ich bin einfach so reingerutscht.

- Also der Traumberuf.

O nein, ich dachte, ich werde Zahnärztin. Es gab in meiner Familie schon einen Zahnarzt. Und ich fand das immer toll, diese Instrumente, die Bohrer, die Praxis...

-Hört sich gruselig an.

Na ja, wenn man nicht selber auf den Stuhl muss... Die Teilnahme an „Jugend musiziert“ war damals mit reinem Spaß verbunden, aber nicht mit Berufsplänen. Meine Gesangslehrerin meinte, ich sollte doch Aufnahmeprüfungen machen – auch damit sie weiß, ob sie alles richtig gemacht hat. Ich habe an neun Hochschulen vorgesungen, irgendwie ganz naiv, und wäre von allen genommen worden. Ich kannte allerdings Rudolf Piernay in Mannheim und wusste: Wenn ich so etwas studiere, dann bei ihm. Und es klappte.

-Wie war Ihre Naturstimme? Was mussten Sie ausbauen?

Ich musste sie nie in die Höhe oder in die Tiefe trimmen. Ich musste nur lernen, dass die Stimme durch alle Register hindurch ohne Brüche läuft. Ich wusste ja von nichts. Das war vielleicht gut, dann geht man mit einer gewissen Unverfrorenheit an die Sache. Mein erstes Jahr bestand nur aus Technik und ein bisschen Lied. Natürlich sitzt man da wie auf Kohlen. Ich dachte: „O Gott, Oper darf ich wohl nie machen.“ Später riet mir Herr Piernay, ich solle mich an Opernstudios bewerben. Hamburg hätte mich engagiert, ich wäre aber gern nach München. Und das hat funktioniert.

-Warum hört man eigentlich keinen Dialekt bei Ihnen?

(Lacht.) Ich konnte den nie richtig gut. Sowohl meine Eltern als auch Herr Piernay haben sich immer Mühe gegeben, dass der Dialekt nicht durchschlägt. Wenn ich mal ein paar Tage zu Hause in der Pfalz war, dann hört man das aber. Mein Gesangslehrer sagt dann immer: „Aha, sie war auf der falschen Rhein-Seite.“

-Relativ schnell wurden Sie hier ins Ensemble verpflichtet. Wie groß ist da der Respekt vor den Stars, auch vor dem Haus?

Wenn ich mit den großen Sängern auf der Bühne stehe, sage ich mir immer: „Du musst jetzt so gut vorbereitet sein, dass man nicht merkt, dass da die Kleine aus dem Opernstudio steht.“ Auch wenn es nur eine Papagena ist. Es ging nicht ums mögliche Scheitern, sondern darum, dass ich nicht den Betrieb aufhalte.

-Ihre erste Opernbühne war tatsächlich das Münchner Nationaltheater?

Ja, abgesehen von einem Einsatz bei der Kammeroper Rheinsberg. Ich war in München bei der Papagena total panisch, dass ich zu spät auf die Bühne komme! Ich wusste ja gar nicht, wie so ein Theater funktioniert. Und dann war ich auf der Bühne und habe gedacht: „Mein Gott ist das schön!“ Und mich gleichzeitig geärgert, dass ich wegen der Riesenmaske nicht alles sehen konnte. Um das Singen hatte ich nie Angst.

-Sind Sie so ein Typ, auch früher in der Schule bei Klausuren?

Ich sage mir immer: „Wenn du gut vorbereitet bist, kann nichts passieren.“ Und dann kann ich auch vorher gut schlafen.

-Vor dem Großen Festspielhaus in Salzburg, vor der Zdenka in der „Arabella“ hatten Sie also auch keinen Bammel?

Ich hatte Respekt, vor allem vor den großen Kollegen und vor Herrn Thielemann. Angst hatte ich nur davor, dass ich nicht ins Ensemble passe. Schließlich ist man als Unbekannte diejenige, die am ehesten umbesetzt wird. Mein Glück war, dass die Stars später angereist sind und ich zehn Tage nur für mich und meine Arbeit mit Regisseurin Florentine Klepper und dem musikalischen Team hatte.

-Wie gut passt denn die Zdenka zu Ihnen?

Sehr gut, weil sie kein Charakter ist, der nur konstant bleibt – wie sonst meistens im lyrischen Fach. Zdenka macht eine Riesenentwicklung durch vom eingeengten Mädchen bis zu einer, die plötzlich erwacht, als sei sie von jemandem durchgeschüttelt worden.

-Heißt das, dass man als lyrischer Sopran auch frustriert ist von diesen netten Mädchenrollen, die außer toller Musik nicht viele Dimensionen bieten?

Wenn Sie die Frage vor einem Dreivierteljahr gestellt hätten, dann hätte ich gesagt: „Nein. Das sind perfekte, wunderbare Rollen.“ Die Zdenka hat bei mir vieles verändert. Bei der Pamina weiß man: Das Publikum ist gerührt. Bei der Zdenka kann man das Publikum mitnehmen auf einen Weg.

-Es fällt auf, dass Ihre Stimme nicht mehr ganz lyrisch ist. Wie sehr geben Sie dieser Entwicklung nach?

Die Zdenka kann ich dreimal am Tag singen, und es tut mir nicht weh. Wenn ich etwas bequem singen kann, wenn ich auch Zeit hatte, es auszuprobieren, dann ist es richtig für mich. Natürlich kommen Angebote für schwerere Partien. Sicher möchte ich später einmal eine Liu singen oder eine Mimi, auch die Violetta werde ich mir genauer anschauen. Ich denke mir aber: Wenn ich jetzt einen Sprung mache, dann kann ich vielleicht das, was ich überspringe, gar nicht mehr singen. Ich will die Leiter Stufe für Stufe rauf.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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