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Der Schriftsteller Hans Keilson

Hans Keilson mit 101 Jahren gestorben

Frankfurt - Der Schriftsteller Hans Keilson ist tot. Er starb im Alter von 101 Jahren.E rst vor wenigen Wochen hatte Keilson in einem Buch die Erinnerungen an sein bewegtes Leben veröffentlicht.

Er starb am Dienstag in einem Krankenhaus in Hilversum in den Niederlanden, wie der Verlag des jüdischen Autors, S. Fischer, am Abend in Frankfurt am Main mitteilte. Er war einer der letzten Überlebenden der deutschen Exilliteratur und fand mit seinem Werk erst im hohen Alter großen Ruhm.

“Mit leichter Verwunderung, großer Neugier und Freude hat Hans Keilson den in letzter Zeit großen internationalen Erfolg seiner Romane beobachtet und bis vor wenigen Wochen selbst an Signierstunden und Diskussionen teilgenommen“, heißt es in der Mitteilung des Fischer-Verlags. Noch vor wenigen Wochen hatte der mit mehreren Auszeichnungen geehrte jüdische Autor sein letztes Buch “Da steht mein Haus“ veröffentlicht, seine Erinnerungen an sein bewegtes Leben. “Mein Leben und meine Erinnerungen sind verätzt von den Schwaden der Zerstörung“, heißt es darin gleich zu Beginn.

Keilson kam am 12. Dezember 1909 in Bad Freienwalde bei Berlin zur Welt. Sein erster Roman “Das Leben geht weiter“, ein autobiografischer Bericht über eine Jugend nach dem (Ersten Welt-)Krieg, erschien 1933 bei S. Fischer und wurde bald darauf von den Nazis verboten. Erst 50 Jahre später wurde das Werk wieder aufgelegt. Seine Eltern wurden deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Der Schmerz, dass er seine Eltern nicht schützen konnte, quälte ihn sein ganzes Leben.

Der jüdische Arzt Hans Keilson überlebte, weil er bereits 1936 in die Niederlande emigriert war. Während der deutschen Besatzung bewahrten ihn fließendes Holländisch, gefälschte Papiere und gute Freunde davor, von den Nazi-Schergen entdeckt zu werden.

Keilson kehrte nie aus dem Exil zurück, sondern lebte in Bussum bei Amsterdam. Er machte seinen Facharzt für Psychiatrie. Parallel dazu war er als Schriftsteller tätig - das Schreiben bewahrte ihn vor Hass und Rachegefühlen, sagte er immer wieder. Oft war er zu Besuch in seinem Heimatort in Brandenburg. “Die Landschaft, in der man geboren und aufgewachsen ist, kann man nicht hassen“, schrieb er. Anfang 1990 - nach dem Fall der Mauer - wurde er Ehrenbürger von Bad Freienwalde. Zum 100. Geburtstag wurde an sein Geburtshaus eine Gedenktafel angebracht.

Als Psychoanalytiker behandelte er jüdische Waisen, deren Eltern im Holocaust umgekommen waren. Seine wissenschaftlichen Aufzeichnungen über die Traumatisierung dieser Kinder gelten als Standardwerk.

Als Meisterwerke bezeichnete die “New York Times“ im August 2010 zwei seiner Bücher, hob Keilson auf die Titelseite und nannte ihn gar ein Genie. Die internationale Resonanz war groß und sein Werk wird jetzt in vielen Ländern erstmals erscheinen, wie S. Fischer mitteilte. Zu den bekanntesten Veröffentlichungen zählen “Komödie in Moll“ und “Der Tod des Widersachers“.

dpa

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