Happy Händel

- Dies soll kein Plädoyer gegen das Ausstattungstheater sein. Doch was William Christie und sein Ensemble Les Arts Florissants im Prinzregententheater mit ihrer konzertanten Aufführung von Händels "Acis & Galatea" boten, setzt Maßstäbe in puncto spannender Präsentation von Musiktheaterwerken _ auch ohne aufwändiges Bühnenbild und üppige Kostüme. Christie, seine elf Instrumentalisten und die sieben Gesangssolisten Sophie Daneman und Olga Pitarch (Sopran), Paul Agnew, Jeffrey Thompson und Joseph Cornwell (Tenor), Alan Ewing (Bass) sowie David Le Monnier (Bariton) sind in vieler Hinsicht außergewöhnlich. Selten hat ein Abend im Prinze so viel Spaß bereitet.

<P>Der Enthusiasmus, den die Musiker verbreiten, ist phänomenal. Sänger und Orchester sind bis ins Detail aufeinander abgestimmt. Eine beglückende Homogenität - und das, obwohl das Ensemble Händels erstes englischsprachiges Musikdrama schon häufig aufgeführt und auch auf CD eingespielt hat. Routine ist hier ein Fremdwort. Hinzu kommt die szenische Darstellungskraft, die jedem der Solisten zu Eigen ist.</P><P>Mit spielerischer Leichtigkeit, Humor und Augenzwinkern präsentieren Les Art Florissants die Geschichte um den Hirten Acis und die schöne Nymphe Galatea, deren Liebesglück vom Zyklopen Polyphemus zerstört wird. Zwar hat Galatea ihren Liebsten verloren, macht ihn aber am Ende zu einem unsterblichen Gott. Und inmitten aller Agierenden sitzt William Christie und leitet sichtbar, aber leise singend und sprechend von Cembalo und Orgel aus das gesamte Geschehen. Was Musik und Ensemblegeist bewirken können, dass dürfte all jenen bewusst geworden sein, die dabei waren: einfach eine glücklich machende Aufführung. Standing Ovations. Und als Zugabe der Finalhit aus dem ersten Akt, das "Happy we!", der die Stimmung von Ensemble und Publikum widerspiegelte.</P>

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