Happy-Häschen

- Beckett, den Meister des Absurden und der Reduktion zu parodieren, das ist sicher reizvoll, aber man kann sich auch ganz schön die Zähne daran ausbeißen: "Die gesammelten verloren geglaubten Werke von Samuel Beckett" heißt das Stück von Greg Allen, Ben Schneider und Danny Thompson, beim New Yorker Fringe Festival 2000 ausgezeichnet und soeben von Helga Fleig in Szene gesetzt.

Wer seinen Beckett in der Tasche hat, darüber hinaus noch Gusto und (viel!) Geduld für den gewollten Über-Minimalismus, der ist im Münchner Teamtheater Comedy jetzt richtig. Das Autoren-Trio -gespielt von Peter Bamler, Ulrich Zentner, Antony Connor -behauptet, in Paris in einer Mülltonne (wo sonst bei Beckett?) einen Umschlag mit den Manuskripten gefunden zu haben.

Darauf der Vermerk "Darf nie aufgeführt werden. Ich schwör’s! So wahr ich tot im Grabe liege!" So weit, so amüsant. Dann braucht der Abend allerdings recht lange, bis er auf szenisch farbige Touren kommt: Die clownigen Beckett-Buben wortkabbeln sich ("Nicht ich"). Einer wippt zum "If"-Song der Gruppe Bread schier endlos im Schaukelstuhl.

Es wird im Dunkeln agiert und wortfetzenhaft gesprochen, Körper reduzieren sich auf Spotlicht-Gesichter und frieren in gebuckelten "Endspiel"-Posen ein, während Beckett pingelige Regieanweisungen gibt. Das Stück versteht sich als satirischer Anspielungs- und Zitaten-Parforceritt durch Beckett-Werke, tippelt aber nur über die Oberfläche und findet in einem "Glückliche- Tage"-Kasperletheater mit Happy-Häschen und Huhuh- Eule so etwas wie einen naiven Höhepunkt. "Happy minutes" zumindest am Ende, wenn die drei als Kapuzen- Männer die Choreographie "Quartett" abschreiten und im Kanon, französisch, deutsch und englisch, "Frère Jacques" darbieten, umgetextet zu "Samuel Beckett, schreibst du noch, schreibst du noch?"

Bis 11. November, Karten 089/ 260 66 36 .

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