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Harald Schmidt (54) und das Concerto Köln gastieren mit einem Singspiel Mozarts in der Münchner Philhamonie

Harald Schmidt macht Mozart - das Interview

München - Harald Schmidt (54) und das Concerto Köln gastieren mit einem Singspiel Mozarts in der Münchner Philhamonie. Im tz-Interview spricht der Entertainer über den Komponisten und hat einen Tipp für Christian Wulff.

Mozarts Singspiel Der Schauspieldirektor ist verschwätzt. Vier Gesangsnummern, die purster, schönster Mozart sind, und ganz viel Text. Den schwätzt jetzt Harald Schmidt (54) in einer eigenen Fassung und gastiert mit dem Concerto Köln auch in der Philhamonie. Wir sprachen mit dem Entertainer, Kabarettisten und Kirchenmusiker.

Harald Schmidts beste Sprüche - eine Auswahl

Harald Schmidts beste Sprüche - eine Auswahl

Herr Schmidt, in Mozarts Stück geht es um eine Oper, die aufgeführt werden soll. Im Vorfeld gibt es Intrigen unter den beiden Sängerinnen: Jede will am meisten Geld, die besten Arien, und der ausgebuffte Drahtzieher Buff denkt erst mal an die Kohle, nicht an die Kunst. Was ist Buff für ein Charakter?

Harald Schmidt: Buff ist schlitzohrig, überzeugt von dem, was er macht, und bereit, alles dafür zu tun, dass der Lappen (der Theatervorhang, d. Red.) hochgeht.

Und Sie?

Schmidt: Ich tue auch eine Menge dafür, dass der Lappen hochgeht. The Show must go on. Unsere TV-Produktionen funktionieren ja auch unter Theaterbedingungen.

Was haben Sie an den Original-Texten des „Schauspieldirektors“ geändert?

Schmidt: Was beim Libretto zwei Seiten Dialog waren, sind bei mir drei Sätze. Zudem gibt es keine Sprechrollen mehr – also etwa Impresario, Sängerinnen und Geldgeber –, sondern ich moderiere alles aus der Sicht eines Öffentlichkeitsarbeiters.

Was bleibt bei Ihnen von der Essenz des Stücks?

Schmidt: Viele Themen sind ja noch aktuell: die Hysterie auf allen Verwaltungsebenen eines Opernhauses; der Kampf bis aufs Messer bei den Diven; Versprechungen, die nie eingehalten werden.

Sie möchten also nicht mal am Opernhaus arbeiten?

Schmidt: Auf keinen Fall! Ich hätte keine Lust, mich mit so Sachen herumzuschlagen wie: Wer hat wann Dienst? Welcher Chorsänger hat welches Zipperlein und kann welche Bewegungen nicht machen – per ärztlichem Attest abgesegnet? Oder dass der Sänger-Superstar erst vier Stunden vor der ersten Orchesterprobe einfliegt.

Was würden Sie Mozart beim Kaffeetrinken als erstes fragen?

Schmidt: Wie das bei ihm mit den Frauen lief.

Und wie lief’s bei ihm?

Schmidt: Ich glaube, optimal. Er konnte ja alles über die Musik einfädeln.

Mozart war leidenschaftlich – auch in der Arbeit. Gibt’s Parallelen?

Schmidt: Ich lehne jeglichen Vergleich mit Mozart ab. Da können Sie mich nicht aufs Glatteis führen. Fragen Sie das naive Medien-Neulinge. Etwa in Schloss Bellevue.

Und was empfehlen Sie als Medienprofi Herrn Wulff?

Schmidt: Aussitzen.

Weil er viel Stoff hergibt?

Schmidt: Klar. Aber auch, weil nächste Woche eine andere Sau durchs Dorf läuft.

Langlebiger ist da schon Klassik. Wer sind Ihre Favoriten?

Schmidt: Mozart gehört gar nicht dazu. Meine ersten Erfahrungen am Klavier waren die unendlichen Variationen über „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Schubert und Bach sind meine Favoriten.

Warum Bach?

Schmidt: Weil er genial Form mit Inhalt gefüllt hat. Vielleicht liegt mir Bach besonders nah wegen meines Instruments, der Kirchenorgel.

Können Sie von Bach beruflich etwas lernen?

Schmidt: Der Mann hat durchgearbeitet, Tag und Nacht, und das Größte geschaffen. Es war ja nie etwas da.

Im TV-Metier arbeiten viele weniger und haben mehr Geld als Bach. Wetten, dass..?

Schmidt: Ja. Aber auch die Operette hat ihre Berechtigung.

Interview: M. Bieber

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