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Harald Schmidt: Kulinarische Spurensuche in Österreich

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Von: Michael Schleicher

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Aufnahme von Harald Schmidt aus dem Buch „In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“.
Harald Schmidt schmeckt‘s: Hier Apfelstrudel am Ufer des Traunsees. © Christopher Mavrič/Brandstätter Verlag

Harald Schmidt schätzt Thomas Bernhard. Jetzt hat der Ex-Late-Night-Star und Schauspieler das Buch „In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“ herausgegeben, eine kulinarische Spurensuche durch Österreich auf Bernhards Spuren.

Ach, die Zittel, die Gute. Trägt in Thomas Bernhards „Heldenplatz“ (1988) eine Suppenterrine nach der anderen herein – als sei die Welt in Ordnung. Doch bei den Schusters ist längst alles, wirklich alles aus den Fugen. Und wenn es in Falk Richters wuchtiger Inszenierung des Stücks an den Münchner Kammerspielen an einer Stelle heißt: „Die Zittel hat uns sicher eine heiße Suppe gemacht“, füllt Bernhard (1931-1989) hier nur auf den ersten Blick eine Gesprächspause seiner Figuren.

Harald Schmidt: Auf dem „Traumschiff“ spielt er Oskar Schifferle

Essen und Trinken sind wichtig in den Texten dieses großartigen Dramatikers, unterhaltsamen Berserkers und erschreckend genauen Zeitanalytikers. Das weiß auch Harald Schmidt. Deutschlands abgedankter König der Late Night, Schauspieler und Darsteller des Oskar Schifferle auf dem ZDF-„Traumschiff“ ist Herausgeber eines Buchs, das Bernhard und seinem Werk nun am Wirtshaustisch begegnet. „In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“ nennt sich im Untertitel „Eine kulinarische Spurensuche“ und ist gerade erschienen (Brandstätter Verlag, Wien, 176 Seiten; 36 Euro.).

Das Buch mixt trefflich Literatur- und Theatergeschichte, Biografisches und Anekdotisches, Rezepte und Roadmovie. „Ich gebe heraus, aber geschrieben haben natürlich Leute, die das können“, sagt Harald Schmidt. Wobei – so ganz stimmt das nicht. Freilich, der 64-Jährige hat sich Bernhards Leibspeisen kredenzen lassen, er hat Bernhards Halbbruder getroffen und ist eine Runde auf dem Radl des Schriftstellers gefahren, auf das dieser immer stieg, wenn er nicht mit dem Auto zu den Gasthäusern rauschen wollte.

Harald Schmidt trifft Claus Peymann

„Ich war drei Tage unterwegs in Oberösterreich und habe bis zu viermal Mittag gegessen, damit schöne Fotos gemacht werden konnten in den Gasthäusern, in denen Thomas Bernhard gerne zu Mittag gegessen hat“, verrät Schmidt. Er hat für das Buch jedoch auch ein umfangreiches, erhellendes und kurzweiliges Gespräch mit Claus Peymann über Bernhard geführt – zugegeben: mit Brandteigkrapfen in einer Nebenrolle. Der Regisseur und Ex-Intendant, heute 84, hat vor allem in seiner Zeit als Direktor des Wiener Burgtheaters von 1986 bis 1999 viel dafür getan, dass der Dramatiker gespielt wurde.

Aufnahme von Harald Schmidt und Claus Peymann aus dem Buch „In der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“, erschienen im Brandstätter Verlag,
Harald Schmidt trifft Claus Peymann zum Gespräch über Thomas Bernhard. © Christopher Mavrič/Brandstätter Verlag

Diese gedruckte Frittatensuppe ist fein abgeschmeckt. Margarete Affenzeller etwa analysiert die Rolle von Speisen in Bernhards Werk: „So zurückhaltend kann gar nicht zubereitet, aufgetischt und verköstigt werden, als dass sich darin nicht doch der wunde Punkt einer Familie, einer Beziehung, einer unterdrückten Geschichte offenbaren würde“, weiß sie.

Sechs Rezepte zu Bernhards Leibspeisen

Alexander Rabl blickt dann noch tiefer in die Töpfe und schreibt über Herkunft und Bedeutung der in den Stücken thematisierten Gerichte. Katharina Seiser liefert nicht nur ein tolles Glossar, sondern nähert sich auch lesenswert dem „Wesen des Gasthauses“, derweil Sterne-Koch Vincent Klink herrlich ziellos durch Wiens Kaffeehaus-Kultur mäandert. Schließlich sind da Hedi Klingers Beiträge. Sie kochte in ihrem Gasthof in Gaspoltshofen (Auswärtige kennen das Kaff wohl nur aus dem „Theatermacher“), als er Bernhards Stammlokal war. Den Band beschließen sechs Rezepte seiner Leibspeisen – von der Frittatensuppe über Tafelspitz bis hin zum ausgezogenen Apfelstrudel. „In Bücher gehen wir hinein wie in Gasthäuser: hungrig, durstig“, schreibt Bernhard in „Ritter, Dene, Voss“. Dieses hier macht Lust aufs Kochen – und das Theater. Leiwand.

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