Ausstellung

Alt und Neu in Harmonie

„Working with History“ schildert im Lenbachhaus detailliert, wie Foster + Partner dieses Münchner Museum umbauen.

Franz von Lenbach war ein echter Großkünstler; und so plante er auch baulich einen imposanten Auftritt. Er ließ – damals knapp vor der Stadtgrenze – beim Königsplatz eben nicht zuerst seinen Wohnsitz errichten, sondern den langgestreckten Atelier-Trakt (1886). Den nannte er höchst selbstbewusst schon damals „Museum Lenbach“ und ließ ihn auf Glyptothek und Staatssammlung hin ausrichten. Erst danach setzte er sich mit seiner Villa, die italienische Renaissance atmet, zwischen und vor die Landhäuser Schaefer und Hess, die an der Richard-Wagner-Straße lagen.

Schritt für Schritt, Baustufe für Bauerweiterung analysierte das internationale Architekturbüro Foster + Partner (Hauptsitz London), dessen Patron Norman Foster (Jahrgang 1935) ist, Wesen und Wachstum der heutigen Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Der Baumeister wird ab Frühjahr 2009 das Museum umwandeln und erweitern (56 Millionen Euro). Man hofft, die Fertigstellung 2011 und die Wiedereröffnung des Museums im Frühling 2012 zu schaffen. Jetzt erklärt die Schau „Working with History“ (warum Englisch?) genauso Schritt für Schritt – mit alten Fotos, vielen sehr gut „lesbaren“ Bau-Darstellungen, Modellen und simulierten Fotoansichten –, wie sich Foster die Lösung der Lenbachhaus-Probleme vorstellt. All das ist sehr anschaulich und gut nachvollziehbar aufbereitet.

Der Betrachter kann verfolgen, wie Alt und Neu behutsam ineinander geschoben werden. Lenbach hatte seiner Villa ja auch schon die älteren Nachbarhäuser einverleibt, sodass es heute noch im Museum zum Beispiel Stufen gibt, die im Nichts enden. Die Architekten schaffen da Klarheit. Das heißt, das Museum wird barrierefrei und ist nicht mehr labyrinthisch verwinkelt. An dem Konzept habe man fünf Jahre gearbeitet, so Direktor Helmut Friedel, „mit großem Respekt vor dem Haus“. Es soll in seiner Intimität und in seinem Charme – natürlich mit dem wunderbaren Garten – erhalten bleiben. Harmonie auch bei der Höhe: Der Anbau, der den 1972er-Flügel hin zur Brienner Straße ersetzt, und der Aufbau längs der Richard-Wagner-Straße werden das historische Gebäude nicht überragen. Es wird ebenfalls in restauratorischer Hinsicht geschont. Die Eingangshalle im Anbau wird das für Auswärtige schwer erkennbare Entree der Villa entlasten, das schon längst nicht mehr den Ansturm von 200 000 bis 400 000 Besuchern jährlich verkraftet. Der Saal mit Freitreppe und Galerie-Umlauf erzwingt keinen Museumsrundgang mehr, der Besucher wählt vielmehr, welchen Sammlungsschwerpunkt er direkt ansteuern möchte. „Wir wollen keine strenge Chronologie anbieten“, denkt Friedel in die Zukunft, „sondern wollen den Besuch aufregend gestalten“.

Aufregend ist ebenso, wie die Fassade des Neubaus aussehen soll. Sicher nicht so, wie auf den bereits veröffentlichten Foto-Simulationen. Material, Form, Farbe, Glanz, Mattheit der Außenhaut sind noch in der Erprobungsphase.

Dass man auch hier auf Fosters Feingefühl bauen kann, beweisen die übrigen Alt-Neu-Beispiele, die in der Schau präsentiert werden (besonders schöne Großfotos): darunter natürlich die Reichstagskuppel in Berlin und der wunderbare Schleier über dem Hof des British Museum.

Bis 22. Februar 2009,

Tel. 089/23 33 20 00.

von Simone Dattenberger

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