Harmonie von Eros und Religion

- Landshut feiert 800-jähriges Bestehen - unter anderem mit einer weitläufigen Schau: In der Heiliggeistkirche sowie bei den Zisterzienserinnen von Seligenthal, in der Stiftskirche St. Martin und Kastulus und der heute als Schatzkammer genutzten Allerseelen-Kapelle, bei den Ursulinen von St. Joseph und in St. Ignatius ist unter der Regie der Museen der Stadt zum Jubiläum nun zugänglich, was unter dem Sammeltitel "Mit Kalkül und Leidenschaft" die Bild-Inszenierungen des Sakralen in der bayerischen Kunst des Barock und Rokoko demonstriert.

<P>Konjunktur für die Kunst</P><P>In der Heiliggeistkirche wird zwei Mal gewechselt. Zunächst das liturgische Gesamtgefüge (bis 27. Januar); in Teil II dann geht es um Egid Quirin Asams Entwürfe für die Wallfahrts- kirche zum Heiligen Grab in Deggendorf sowie um die erstmals vollständig ausgestellten Konzeptblätter für die Fresken der Benediktinerabteikirche Niederaltaich: um die Strategien barocker Neuinszenierung von Kirchenräumen darlegen zu können. Zum 23. März sind ausgesuchte Entwurfszeichnungen und Modelle zu Kirchen unter anderem in Dießen zu erwarten.</P><P>Es war die Zeit der Gegenreformation nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 bis zum Westfälischen Frieden von 1648. Im Deutschen Reich nahm sie ihren Anfang in Bayern. Unter Albrecht V., Wilhelm V. und Maximilian I. wurden München und Würzburg zu ihren Zentren ausgebaut. Außenpolitisch stieg Bayern vorübergehend zur führenden Macht des katholischen Deutschland auf. Die intensive Durchdringung der Gesellschaft mit den Inhalten und Formen der katholischen Reform ging einher mit staatlicher Lenkung, mit der Unterdrückung des Luthertums, mit der Niederwerfung von Gegenbewegungen und mit den Konfessionskriegen von 1618 bis '48. In die Residenzstadt Landshut kamen 1556 die Jesuiten mit einer herzoglich geförderten eigenen Niederlassung, 1610 kamen die Kapuziner.</P><P>Am südlichen Ende der Neustadt bildet die Seitenfassade von St. Ignatius bis heute die Dominante des Straßenzuges. Im Inneren der Kirche bewahren die großformatigen Bilder der paarweise angeordneten Seiten-Altäre und der Hochaltar eine Frische und Dynamik, die in der jetzigen Ausstellung der Heiliggeistkirche keineswegs selbstverständlich ist. Eine eingebaute Stube, das innere Herzstück dieses Vorhabens, enthält Feinstes: lavierte Federzeichnungen, Altar-Entwürfe, die Modelle für den Hochaltar der Jesuitenkirche in Krems (Wachau) und das Baumodell der Wallfahrtskirche Marienberg in Raitenhaslach.</P><P>Die christliche Religion und die katholische Kultur sollten Freude bereiten. Im Spielfeld barocker Theatralik gab es keine Trennung zwischen "Eros" und "Religion". Evangelische Gewissensnöte und unerlöste Bußfertigkeiten waren das Thema der Gegenseite. Die Inanspruchnahme durch voluminös gestaltete Heiligen- und Märtyrer-Legenden zeitigte Malerei und Plastik in großen Mengen und teils riesigen Formaten. Kirchenmaler und Schnitzer erlebten eine dauerhafte Konjunktur. Sinnliche Leidenschaften konnten durch die Förderung eines glanzvollen katholischen Kultus und durch den staatlich gewährleisteten Marien-Kult in die geeigneten Bahnen gelenkt werden.</P><P>Die spezifisch Landshuter Leidenschaften bedurften eines möglichst wirksamen Schutzengels, des Erzengels Michael. Einen Schutzengel-Altar erhielt daher die Hauptkirche St. Martin.</P>Bis 23. Mai, täglich außer montags 10-17 Uhr. Katalog, ab Februar erhältlich: 42 Euro; Tel. 0871/9 22 38 90.

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