Harmonie am Flügel

- Das "Composers in Residence"-Programm der Salzburger Festspiele, dessen Aufmerksamkeit den Komponisten György Kurtág und Jörg Widmann gilt, erlebte mit dem Konzert Kurtágs und seiner Ehefrau und Musizierpartnerin Márta im Großen Saal des Mozarteums einen besonderen Höhepunkt.Auf dem Programm standen Kurtágs "Já´té´kok. Spiele für Klavier" für zwei Pianisten: entweder zu vier Händen oder an zwei Flügeln. Ein Werk im Entstehen, dessen Ursprungsidee auf das Jahr 1973 zurückgeht und das bis heute stets durch neue Elemente ergänzt wird. Eine Sammlung aus jeweils sehr kurzen Tastenspielen, bei denen die Klänge nicht nur mit den einzelnen Fingern, sondern auch mit Hilfe der Handflächen oder Unterarme erzeugt werden. Durchsetzt hat Kurtág diese einzelnen kontrastreichen Stücke mit seinen Bach-Transkriptionen. Er hat eine Vorliebe für solche komponierten Programme.

<P>Die Kurtágs entschieden sich bei ihrem Fünfzig-Minuten-Konzert für das gemeinsame Spielen an einem Flügel. Allein der Beginn durch die von Márta Kurtág angeschlagenen sieben sich im Raum auflösenden Töne zu "Blumen die Menschen, nur Blumen . . .", auf die Johann Sebastian Bachs Orgelchoral "Aus tiefster Not schrei ich zu dir" folgte, stand in seinem berührenden Moment für sich. </P><P>Der 78-jährige Kurtág und seine Partnerin strahlen etwas von dem mythologischen Ehepaar Philemon und Baucis aus. <BR><BR>Im Verlauf der "Spiele" wechselten sie die Solo-Parts. Während der eine Partner musizierte, wachte der andere hinter dem Klavierhocker stehend über das Geschehen. Die Stücke enthalten Lyrisch-Intimes bis Bockig-Streitendes, dazwischen Hommagen an nahe stehende Personen. Es war beeindruckend, wenn György Kurtág beispielsweise im "Perpetuum mobile" nicht mit den einzelnen Fingern sondern mit den Handflächen der Tastatur ein perlendes Prestissimo-Glissando entlockte. Das Spiel der Kurtágs faszinierte vor allem in seiner Stimmigkeit und Harmonie, einer fantastischen Anschlagskultur, feinem Witz und Ironie. Das Konzert dieses Künstlerehepaares war Ausdruck einer kongenialen Partnerschaft. <BR><BR></P><P> </P>

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