Gustav Mahler. foto: fkn

Harmonie und Triumph: Theatermuseum zeigt „Gustav Mahler in Wien und München“

München - Eine Mahler-Ausstellung ist natürlich fällig in diesem Jahr: Vor 151 Jahren ist der Komponist geboren und vor 100 Jahren gestorben. Mit München verband ihn ein positives Verhältnis.

Hier wurden zu Mahlers Lebzeiten die vierte und achte Symphonie uraufgeführt, hier wurde ein Jahr nach dem Tode des in Böhmen geborenen Künstlers jüdischer Abstammung sein „Lied von der Erde“ erstmals gespielt. Und: Hier feierte er seinen größten Triumph als Komponist, eben mit der Achten. Wenn man dann noch einbezieht, dass dieser Mann auch das Münchner Klima, das Spaten-Pils, die Verkehrsanbindung und die Stadt überhaupt mit ihren Menschen mochte, dann ist der Titel der Ausstellung „Gustav Mahler in Wien und München“ berechtigt. Ab sofort ist sie im Deutschen Theatermuseum zu sehen.

Wobei: Wien ist nun mal „seine“ Stadt, und das merkt man der Schau an, die von der Donau importiert und ergänzt wurde. München erhält „nur“ einen eigenen Raum, höchst informativ und unterhaltsam ist die Ausstellung allemal. Zunächst zurück nach Wien: Hier war er Star, hier wollt er’s sein. Schön sieht man gleich im Erdgeschoss, wie Mahler seinen Generalstabsplan entwarf und umsetzte, um die Hofoper zu erobern. Erste Duftnote: Studium in Wien, mit 15 am Konservatorium ging’s los. Dann Lehr- und Wanderjahre an Opernhäusern wie Laibach (Ljubljana), Prag, Leipzig, Budapest, Hamburg. Und schließlich: Vitamin B. Auf einer Schautafel kann man Porträts entscheidender Förderer begutachten. Von Erzherzogen über Musikwissenschaftler bis zum Generalintendanten der Wiener Hofoper: Mahler streckte seine Fühler aus und verfolgte sein Ziel mit Leidenschaft. Dabei war er keiner, der über Leichen ging: Er lebte seine Passion, die Musik. Und er litt darunter, dass er als mächtigster Musikmann der mächtigsten Musikstadt der Welt als Komponist so gut wie nichts uraufführen konnte. Dafür umso mehr als Global (Music-)Player wirkte: als Bühnen-Reformator, der Exotik, üppigste Ausstattung und Detailliebe modern machte. Und der ordentlich Frischluft ins ehrwürdige Haus pumpte, was auch eine herrliche Karikatur zeigt: Director Mahler an der Arbeit zeigt den Nimmermüden, wie er per Blasebalg in die Hofoper Luft pumpt, die als Leierkasten dargestellt ist.

Und dennoch: München war so etwas wie seine nicht ganz heimliche Liebe. Was auch am Kaim-Orchester lag, dem Vorläufer der Philharmoniker. Das hatte zwar, wie jedes damalige Orchester, anfangs reichlich Probleme mit Mahlers schwierigen Partituren, aber dennoch: Es herrschte Harmonie - genauso wie im Schlusssatz der hier uraufgeführten vierten Symphonie.

Matthias Bieber

Bis 18. September, Galeriestraße 4a, Di. bis So., 10 bis 16 Uhr; Telefon 089/ 210 69 10.

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