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Charismatisch und stimmgewaltig: Harry Belafonte sprengt Barrieren.

„King of Calypso“ 

„Day O“! Harry Belafonte feiert 90.

München - Harry Belafonte, „King of Calypso“ und unbequemer Bürgerrechtler, feiert an diesem Mittwoch seinen 90. Geburtstag. Wir gratulieren:

Es hätte auch anders ausgehen können für Harold George Bellanfanti Junior. Denn der Mann, der als erster Künstler eine Million Langspielplatten verkauft hat, mittlerweile eine Ikone des Showgeschäfts ist und heute seinen 90. Geburtstag feiert, hatte einen denkbar schlechten Start.

Belafonte kommt am 1. März 1927 im New Yorker Stadtteil Harlem als Kind von Einwanderern zur Welt. Die Mutter schickt ihn erst mal zurück in ihre Heimat Jamaika. Harold schnappt dort als Kind den karibischen Sound auf, der ihn später zum „King of Calypso“ macht. Bis dahin warten allerdings einige Hürden. Zurück in New York prügelt ihn der Vater regelmäßig krankenhausreif. Die Schläge machen aus Belafonte einen harten Hund, der Neigungen zum Kleinkriminellen entwickelt. Für den Kriegsdienst darf er raus aus Harlem, allerdings bekommt der Heranwachsende als afro-amerikanischer Matrose oft die gefährlichste Drecksarbeit zugeteilt. Scharfe Munition verladen etwa.

Der hochgewachsene Bursche strotzt vor Selbstbewusstsein

Belafonte freilich will das Schicksal als rechtloser Schwarzer nicht einfach hinnehmen. Der hochgewachsene, gut aussehende Bursche strotzt vor Selbstbewusstsein und ist auf Krawall gebürstet. Einmal, da ist er noch nicht berühmt, springt er in einen Swimmingpool, der für Weiße reserviert ist. Einfach, um zu zeigen, dass ihm alle den Buckel runterrutschen können.

Nach dem Krieg will Belafonte Schauspieler werden und studiert beim deutschen Exilanten Erwin Piscator, der auch Marlon Brando und Tony Curtis unterrichtet. Zuvor hat der spätere Star schon als Sänger Aufmerksamkeit erregt: Im legendären Club „Royal Roost“ begeistert er bei einem Kurzauftritt mit seiner unverwechselbaren Stimme das Publikum, Charlie Parker begleitet ihn am Saxofon. Seitdem ist er der „Gob with the Throb“, was ungefähr bedeutet „Der Matrose mit dem Rhythmus“.

1956 wird seine Platte „Calypso“ mit dem „Banana Boat Song“ ein Hit

Die Fünfzigerjahre werden Belafontes große Zeit. Ab 1953 spielt er Hauptrollen im Kino, 1956 wird seine Platte „Calypso“ mit dem „Banana Boat Song“ und dem markanten Ruf „Day O“ ein Monsterhit. Bereits damals wird dieser Mann zum Kämpfer für die Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß. Dabei geht er keinem Konflikt aus dem Weg. Charismatisch, wortgewaltig, aber auch zornig und impulsiv. Erst Martin Luther King und eine Therapie machen einen ausgeglichenen und souveränen Aktivisten aus Belafonte, der rechtzeitig der Drogenhölle den Rücken kehrt. Er hat Billie Holiday und andere Hochbegabte zugrunde gehen sehen und will so nicht enden.

Bürgerrechtler wird Belafontes eigentlicher Beruf

In den Sechzigern wird Bürgerrechtler mehr und mehr zu Belafontes eigentlichem Beruf. Er persönlich nimmt 1963 Präsident Kennedy die Angst vor dem „Marsch auf Washington“, schleift dessen Bruder Bobby in schwarze Armutsviertel und überzeugt den eingefleischten Republikaner Charlton Heston davon, die Bürgerrechtsbewegung zu unterstützen. Belafonte sprengt mit einer Selbstverständlichkeit Barrieren. Er freundet sich mit Schwarzen und Weißen an, heiratet eine Jüdin und sorgt im April 1968 für einen Eklat. In einer Fernsehsendung singt er mit Petula Clark das Antikriegslied „On my Path“. Clark berührt dabei Belafontes Arm – die erste „gemischtrassige“ Annäherung im US-Fernsehen. Mit Clarks Unterstützung besteht er darauf, dass die Szene gegen den Willen des Hauptsponsors in der Show bleibt. Und gewinnt.

Gewalt hat Harry Belafonte stets fundamental abgelehnt, weshalb er später zum Beispiel Präsident George W. Bush wegen des Irakkriegs in drastischen Worten abwatscht. Niemand habe das Recht, einfach so Menschen im Irak zu töten. Punkt. So unmissverständlich kommentiert Belafonte die Weltlage bis heute. Hoffentlich noch sehr lange. „Day O“!

Zoran Gojic

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