Das harte Leben des Jazz-Pianisten

- Chet Baker war, wie - unter anderen Voraussetzungen und in anderen Bereichen Glenn Gould - eine exzentrische Ausnahmeerscheinung. Ein eigentümliches, faszinierendes Flair umgab den Trompeter aus Oklahoma, der im avantgardistischen, Piano-losen Garry-Mulligan-Quartett berühmt wurde, der unkontrollierbar viele Platten aufnahm, der unnachahmliche Höhepunkte erspielte und ersang ("My Funny Valentine"!) und der, noch nicht sechzigjährig, im Drogenrausch aus einem Amsterdamer Hotelfenster fiel - oder gestoßen wurde, vielleicht von einem Dealer.

<P>Der Roman verbindet auf oft raffinierte Weise dreierlei: Biografie, Krimi und Jazzbuch. Stellenweise überlagern sich Realität und Fiktion in einer Art, die verblüfft und verwirrt; alles, was der Jazzpianist Evan Horne erlebt und erleidet, könnte so auch vorgekommen sein. Das Leben (nicht nur) amerikanischer Jazzmusiker in Europa ist bis in Einzelheiten genau getroffen. Die zweite Hauptfigur der Handlung, der farbige Tenorsaxophonist Fletcher Paige: erfunden oder nachempfunden?<BR><BR>Voll von guter Musik</P><P>Herb Geller und Walter Norris kommen vor wie auch Miles Davis, Cannonball Adderley, Dizzy Gillespie, Herbie Hancock. Sicher ist da auch Autobiografisches enthalten: Moodys eigene Reminiszenzen als Schlagzeuger, der bei Maynard Ferguson, mit Earl Hines, Junior Mance und erstaunlicherweise auch bei Gustav Brom in Prag getrommelt hat.<BR><BR>Horne ist aber eben nicht nur Pianist, sondern auch Ermittler, der schon einmal dem FBI bei der Überführung einer Serienmörderin geholfen hat. Gegen seinen Willen lässt er sich durch einen Freund, den Anglistik-Professor "Ace" Buffington, in dessen Baker-Nachforschungen hineinziehen. Schließlich führt er sie - von Buffington allein gelassen - zum Abschluss, so weit dies eben möglich ist.<BR><BR>Das Ende, halb-happy, entspricht nicht ganz der Härte und Spannung des Vorhergegangenen. Aber vielleicht wollte Moody ein Thema so voll von guter Musik nicht unharmonisch ausklingen lassen.<BR></P><P>Bill Moody: "Auf der Suche nach Chet Baker." <BR>Aus dem Englischen von Anke Carolin Burger. <BR>Unionsverlag, Zürich<BR>270 Seiten; 19, 90 Euro.</P>

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