Vom Hasenherz des Dichters

- Sei der Rahmen auch noch so feierlich und das Publikum mit hochrangigen Vertretern der Literaturszene besetzt: Ein jeder Preisträger mutet auf dem Podium der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ein bisschen wie ein Klassenbester oder Vorzeige-Absolvent an, ob er nun Michael Krüger heißt und Chef des Hanser Verlages ist oder Friedhelm Mennekes und als Jesuitenpater wirkt. Akademie-Präsident Wieland Schmied hält stets und für jeden Redner ein Wort des Lobes oder liebevollen Tadels bereit. Im Fall der Verleihung des mit 15 000 Euro dotierten Großen Literaturpreises: Krüger - der Lyriker, Erzähler, Herausgeber, Anthologist, Übersetzer - solle nicht völlig aufgehen in seiner Hingabe an den Hanser Verlag, solle das eigene Schaffen nicht vergessen. "Auch das soll dieser Preis ausdrücken."

Krügers Laudator, der Germanist und Literat Harald Hartung, würdigte daher dessen dichterische Verdienste: Krüger habe einen neuen Ton in die deutsche Lyrik gebracht, den sinnlichen Glanz der Reflexion anstelle einer dumpfen Ich-Lust. Seine Gedichte würden "in der Zeit bestehen und doch etwas anderes aufleuchten lassen". Krüger, ganz Muster-Preisträger, hob in seiner Rede auf Position und Aufgabe des Dichters in der Gesellschaft ab. Er sei der einzige Normale in einer anormalen Gesellschaft. "Der Dichter zeigt seine Schwächen offen vor, während andere sie kaschieren." Er sei, nach einem Gedicht über die bäuerlichen Großeltern, "der Mann mit dem Hasenherz, nicht mehr, eher weniger". Und, so konterte er Schmieds eingangs geäußerte Mahnung mit weiteren Verszeilen, "er schrieb nur selten Gedichte; so hielt er sich lange am Leben".<BR><BR>Einer, der sich auch am Leben hält, indem er neben seiner geistlichen Hauptaufgabe als virtuoser Kunstvermittler auftritt, ist Friedhelm Mennekes, der dafür die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung entgegennehmen durfte. Die Kunsthistorikerin Anne-Marie Bonnet würdigte Mennekes, der in der Kölner Kirche St. Peter seit 1987 eine Kunst-Station unterhält, als einen Pater, der den Auftrag der Religion nicht in der Harmoniestiftung sieht, sondern im Aufwerfen kreativer Zweifel.<BR>

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