Hauch von Ewigkeit

- Zum Ausklang seines Wagner-Jahres lud der Baden-Badener Festspielhausintendant Andreas Mölich-Zebhauser Christian Thielemann ein. Nicht nur dass der frisch gebackene Münchner Philharmoniker-GMD eine feste Größe im Wagner-Kosmos ist; manche nennen ihn längst Bayreuths heimlichen Generalmusikdirektor: Thielemann steuert dort auf den "Ring" 2006 zu. Die beiden Galaabende sollten einen Vorgeschmack darauf geben - mit Ausschnitten aus "Walküre", "Götterdämmerung" und "Parsifal". Und das mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, das Thielemann gerade verlassen hat.

Solo für den Dirigenten<P>Hört man das? Nun, ein bisschen schon. Bei aller spürbaren Qualität, bei aller Überlegenheit der Interpretation ist der erste der beiden Abende nicht frei von Konzentrationsschwächen, kleinen, oft unnötigen Patzern, die darauf schließen lassen, dass dieses immer noch hochklassige Orchester nicht (mehr) in allen Positionen gleichwertig besetzt ist.<BR><BR>Dirigent und Orchester zeichnen zwei erstklassige, hochspannende Entwürfe Wagner'scher Musikdramatik. Die Tempi sind weit entfernt von Geschwindigkeitsrekorden, und dennoch wird man dieser fortwährenden Bewegung aus dem Stillstand heraus gewahr. Ganz groß gestaltet sich die überaus bedächtig gehaltene Blumenmädchen-Szene, bei der Thielemann instinktsicher den mit dem Symbolismus des Fin de Siè`cle behafteten Eros dieser Klangwelt herausarbeitet. Und erschütternd, wie selten: Kundrys Verhöhnung des Gekreuzigten: "Ich sah ihn - und lachte". Beklemmender hat man die darauf folgende, einen Hauch von Ewigkeit in sich führende Generalpause selten wahrgenommen.<BR><BR>Luana de Vol meistert den gefürchteten doppelten verminderten Septsprung nach unten brillant. Trotzdem ist ihr hochdramatisch flammender Sopran für die Partie eher ein Experiment, weil er den samtenen Klang des Mezzosoprans missen lässt. De Vols Fach ist stattdessen mit Linda Watson besetzt, die von Haus aus eigentlich die besseren Mezzo-Eigenschaften besitzt, was ihrer "Walküren"-Brünnhilde in dem Fall allerdings hörbar gut tut.<BR><BR>Ansonsten: befriedigende solistische Leistungen Bayreuther Wagner-Recken wie Endrik Wottrich (Parsifal) und Hartmut Welker (Klingsor) sowie ein Wotan, der in Gestalt Robert Hales r nicht mehr so ganz über den gestählten Heldenbariton von einst verfügt. Beifallsstürme, und - die Rechnung ist aufgegangen: Solo für Thielemann. <BR></P><P><BR> </P>

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