Ein Hauch Schweyk

- Ein Gott aus Niederbayern - in dieser Rolle ist er einem großen Publikum bekannt. Wie Goethe selbst lag er damals auf dem Diwan ausgestreckt und schwebte souverän und leicht amüsiert auf einer Wolke über den Dingen: Martin Flörchinger.

<P>In der legendären "Faust"-Inszenierung von Dieter Dorn (Premiere 1987 an den Münchner Kammerspielen) und danach auch in der Verfilmung war er als Der Herr zu sehen. Jetzt besteht Grund, an diesen großartigen Schauspieler zu erinnern; denn anlässlich seines 95. Geburtstages wird heute im Historischen Verein von Geisenhausen eine Ausstellung über ihn eröffnet.</P><P>Geisenhausen, das ist der niederbayerische Geburtsort Martin Flörchingers. Dorthin kehrte er, als er 65 war, nach erfolgreichen Theaterjahrzehnten in Leipzig und am Berliner Ensemble zurück. Es folgten fast 20 Jahre Münchner Kammerspiele, denen er mit seinen knorrigen, bodenständigen und donnernden, aber auch anrührend altersweisen Figuren eine ganz eigene Farbe gab. Und immer ließ er einen Hauch von Brechts Schweyk mit durchschimmern, den er, in Berlin, auch einmal vollendet gespielt hat. </P><P>Dass das Theater nicht seine einzige künstlerische Spielwiese war - Flörchinger malte und übersetzte die Shakespeare-Sonette -, gab ihm auf der Bühne diese humorvolle, überlegene Distanz, machte ihn irgendwie unabhängig. Was seinen Rollen zugute kam: zum Beispiel Schigolch in "Lulu", Quince in "Ein Sommernachtstraum" oder Laertes in "Ithaka".<BR></P>

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