Hauptsächlich Kopfarbeit

- Kaum jemand weiß, dass es neben Beethovens bekannten fünf Klavierkonzerten noch ein weiteres gibt, nämlich eine vom Komponisten autorisierte Klavierfassung seines Violinkonzertes. Zwar existiert davon kein Autograph doch vieles spricht dafür, dass Beethoven das berühmte Violinkonzert selbst bearbeitete hat. An drei Abenden wird Pianistin Ragna Schirmer gemeinsam mit den Münchner Symphonikern nun alle "sechs" Klavierkonzerte im Prinzregententheater unter Leitung von Heiko Mathias Förster spielen (heute, 29. Januar und 3. Februar, 20 Uhr).

<P class=MsoNormal>Ragna Schirmer, 1972 in Hildesheim geboren, ging mit 15 Jahren als jüngste Finalistin in die Geschichte des Busoni-Wettbewerbes ein. 15 erste Preise besitzt sie. Die als Bach-Spezialistin bekannte Künstlerin, die übrigens in Mannheim als eine der jüngsten Klavierprofessorinnen Deutschlands lehrt, setzt sich auch intensiv mit Werken rund um Beethoven auseinander. Sein gut vierzigminütiges "sechstes" Klavierkonzert spielte sie kürzlich auch auf CD ein.</P><P class=MsoNormal>Die um Rat Kämpfende</P><P class=MsoNormal>"Dass dieses Konzert so wenig gespielt wird, liegt meines Erachtens daran, dass der Klaviersatz an einigen Stellen große Lücken aufweist", sagt Ragna Schirmer. "Beethoven hat das Konzert ja für die Violine geschrieben, ist aber, was die Technik betraf, vom Pianistischen ausgegangen. Man merkt an vielen Stellen, dass die Komposition einstimmig geplant ist, also nicht für das Klavier, sondern für eine einzelne Geigenstimme." Schirmer vermutet, dass er Skizzen entwarf und diese von jemandem anderen ausarbeiten ließ. "Ich habe mich lange hingesetzt, mich mit den diversen Bearbeitungen beschäftigt und selbst auch Stellen bearbeitet."</P><P class=MsoNormal>Während ihrer intensiven Beschäftigung mit Beethoven sind Ragna Schirmer eigentlich alle Klavierkonzerte ans Herz gewachsen. "Ich mag das dritte sehr gerne, weil es so eine innere beruhigende Kraft hat, von der Lyrik her ist das vierte natürlich ungeschlagen, da gibt's kaum was Schöneres." Bei Beethoven bewegen sie vor allem die Stimmungswechsel. "Ich glaube, wenn man die Möglichkeit gehabt hätte, diesen Mann kennen zu lernen, und irgendwie geschieht das ja, wenn man sich mit seinen Kompositionen beschäftigt, das wäre wahrscheinlich so ein Mensch gewesen, bei dem man sich nie sicher hätte sein können, was in der nächsten Minute passiert - und das finde ich total spannend."</P><P class=MsoNormal>Den Beethoven-Klavierkonzertzyklus spielt sie in München erstmals. Dieser Marathon erfordert in der Endphase acht Stunden Proben am Tag, aber auch Mentaltraining. "Die kleinen Unterschiede zwischen den Konzerten, die Figuren, die sich ähneln, noch mal genau auseinander zu halten, was gehört in welches Konzert, welcher Charakter ist welchem Konzert eigen; das ist hauptsächlich Kopfarbeit." Als Ausgleich dazu treibt Schirmer Ausdauersport. Authentizität ist für die Mittdreißigerin sehr wichtig, der es auch darum geht, ein junges Publikum wieder ins Konzert zu bringen. "Ich versuche da vorne, eine bestimmte Haltung zu haben der Musik, dem Publikum und mir selbst gegenüber. Und das ist wichtig, dass da wirkliches Gefühl 'rüberkommt, dann kommen die Zuhörer und gerade die jungen vielleicht auch wieder."</P><P class=MsoNormal>Ragna ist die norwegische Kurzform vom altdeutschen Ragnhild, und Ragnhild heißt: die um Rat Kämpfende. "Man kann ja so oder so kämpfen, ob für sich oder für andere, das bleibt offen."</P>

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