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Okwui Enwezor hat zum ersten Mal seine Pläne für das Haus der Kunst vorgestellt.

Haus der Kunst soll offener werden

München - Mit dem neuen Direktor weht ein frischer Wind durch das Haus der Kunst. Okwui Enwezor hat zum ersten Mal seine Pläne für das Museum vorgestellt.

Ein Showman ist Okwui Enwezor, neuer Leiter des Münchner Hauses der Kunst nicht – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Chris Dercon. Bei Enwezor wirkt nichts spontan, sondern alles präzise, klar. Das kann auch nicht schaden – gerade nicht an einem Haus, das in seinen Anfangs-Jahren alles kannte außer Klugheit und Offenheit für Neues, Fremdes und Kritisches. Enwezor will keinen Kunsttempel, sondern ein lebendes, vibrierendes Haus voller Dialog. Ein Haus der Ecken und Kanten. Der 1963 in Nigeria geborene Kurator und Autor hat sich viele Gedanken gemacht um das Haus, das vor 75 Jahren als Nazi-Kunsttempel gebaut wurde und seit Jahrzehnten auch Zeitgenössisches vorstellt. Enwezor begreift Vergangenheit als Chance – wohl stärker als alle seine Vorgänger: „Das Haus ist ein Museum durch und durch – außer einem entscheidenden Punkt: Es hat keine eigene Sammlung“, sagt Enwezor. Die Chance dabei: Man ist offen, flexibel, kann Ideen schnell aufgreifen.

So soll das Haus der Kunst künftig drei Funktionen erfüllen: Ausstellung – Forschung – Lernen. Künftig soll im Haus ein Raum für die Archivbestände eingerichtet werden. Hier will sich Enwezor besonders um die Aufarbeitung der Gründungszeit bis in die Fünfzigerjahre bemühen. Das ganze Gebäude wird sich öffnen: „Die große Mittelhalle soll eine Plaza werden, von der aus alle Räume auch im ersten Stock angesteuert werden können. Dazu öffnen wir auch wieder eine Treppe, die lange nicht zugänglich war.“ Für Mitte Februar kündigt er einen neuen Internetauftritt an, der jetzt schon neugierig macht. Für Spannung soll ein neuer Schrifttyp fürs Haus sorgen: Man spielt mit den Räumen zwischen den Buchstaben, verändert sie und will so zeigen, wie biegsam man auf Zeitströmungen reagiert. Bereits heute für jeden sichtbar: Am Museum hängt außen der Name des Hauses. „Ich habe schon häufig gehört, dass Touristen fragen: ,Was für ein Verwaltungsgebäude ist denn da drinnen?‘“

Matthias Bieber

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