Bei Haydn schmunzeln

- "Es liegt am familiären Erlebnis, das alle im Kloster haben, weil man dort zusammen wohnt, zusammen frühstückt. Es geht nicht um das Frühstück, aber um den Gedankenaustausch über Musik." Dass man in all den Jahren gemeinsam künstlerisch gewachsen ist, darüber zeigt sich Festivalbegründer und Leiter Bruno Weil glücklich. Von morgen an bis 4. September findet im schwäbischen Kloster Irsee zum 13. Mal das "Klang & Raum"-Festival statt, in dessen Mittelpunkt stets Chor- und Orchesterkonzerte der Wiener Klassik stehen.

Zu den Schwerpunkten dieser Entwicklung gehört die Konzentration auf die Interpretation der Musik Joseph Haydns. Weil hat immer darauf geachtet, dass die "Schwabenakademie" die Komponente der Weiterbildung mitberücksichtigt. "Daher die Gesprächskonzerte, da ich den Eindruck habe, dass die Sprache der Musik weniger verstanden wird. Deshalb muss man auf die Eigenarten der Komponisten aufmerksam machen." Diesmal stehen die Londoner Sinfonien Nummer 94 "Mit dem Paukenschlag" und Nummer 103 "Mit dem Paukenwirbel" im Mittelpunkt. "Bei Haydn muss man eigentlich schmunzeln oder lachen. Wenn das Publikum überhaupt nicht reagiert, dann kann etwas nicht stimmen. Dann heißt das, dass wir den Humor von Haydn nicht mehr verstehen, der manchmal auch sehr fein ist, mit fast ironischen Zügen. Das hat mich ursprünglich bewogen zu erklären, worum es eigentlich geht. Wichtig ist das Aha-Moment."

Erstmals gibt es in diesem Jahr einen Meisterkurs für Alte Musik. Dozentin ist die Barockgeigerin Elizabeth Wallfisch. Die Teilnehmer dazu kommen aus der ganzen Welt, wurden von ihr selbst ausgesucht. Der Kurs ist öffentlich, so Weill. "Ich habe dafür als Modell das Carmel-Bach-Festival in Amerika genommen, das ich dort leite. Meisterkurse gibt es ja hier auch massenweise, aber nicht so viele für Alte Musik. Und das halte ich doch jetzt zunehmend für notwendig." Auf unkonventionell gebotene Musik des 16. Jahrhunderts darf man sich im Eröffnungskonzert "Nightmare in Venice" freuen, einem Barockspektakel mit den jazzigen Klängen von Red Priest. Weil liegt das Samstagkonzert am Herzen, in dem Schuberts komplette Schauspielmusik zu Helmina von Chézys "Rosamunde" zu hören ist.

2006 geht es auch in Irsee nicht ohne Mozart. "Ich arbeite an der Konzeption eines Gesprächskonzertes, das der Frage nachgehen soll ,Pourquoi Mozart?’. Warum die Wirkung, warum die Größe, warum ist diese Musik so viel größer als Musik der Zeitgenossen, obwohl diese dieselbe Form der Tonleiter und Akkorde benutzt? Dazu ist mir nächstes Jahr der 200. Todestag von Michael Haydn, des Bruders Josephs, sehr sehr wichtig, der leider etwas untergehen wird vor lauter Mozartbegeisterung."

www.musikfestival-irsee.de

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