Geburt einer neuen Gruppe: Monika Drasch, Hans Well und Michi von Mücke mit einem valentinesken Bläserstück. Foto: Katrin Diederichs/TheaterGemeinde München

Die Hebammen hatten ihre Gaudi

München - Einer neuen Gruppe beim Werden zuschauen, das ist jetzt für uns alle möglich: Hans Well, ein Drittel der Ex-Biermösl Blosn, hat Monika Drasch und Michi von Mücke um sich geschart.

Die eigentliche öffentliche München-Premiere des kabarettistischen Dreigesangs ist für diesen Sonntag im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz angekündigt. Aber Mitglieder der Theatergemeinde hatten im Rahmen ihrer „Glanzlicht“-Reihe das Privileg, das Programm der Dame aus Nieder- und der beiden Herren aus Oberbayern schon vorher begutachten zu können. Im Gut Nederling (beim Westfriedhof) traf man sich bei Saunatemperaturen – ließ sich freilich die Gaudi inklusive diverser Zugaben dadurch nicht vermiesen. In der Tat durften (und dürfen wohl noch Monate) sich alle als Hebammen nicht nur eines neuen Programms, sondern auch einer neuen Gruppe fühlen. In der Tat sind die Texte zu fast 100 Prozent neu, nur die perfide Diridari-Litanei aus einer Latein-Bairisch-Manschsprache (Biermösl Blosn) wurde aufgenommen und weitergestrickt um Pleitestaaten und Rettungsschirme. Es ist eh klar, dass dabei die hiesige Staatsregierung und die Bundes-Merkel ab und zu saubere Watschn verpasst kriegen.

Dass bei solch einem Füllhorn an Spott und Spaß manches danebenfliegt – geschenkt. Ebenso, dass vieles noch unrund läuft. All die Hänger und Hakler werden charmant abgefangen von Hans Well, der seinen jüngeren Kollegen mit unerschütterlicher Ruhe ein sicherer Halt ist. Vor der Pause waren Monika Drasch, die Rothaarige mit der grünen Geige, die ihre Ursprünge in der Gruppe Bairisch-Diatonischer Jodelwahnsinn hat, und der Oberammergauer Michi von Mücke, den wir von Kofelgschroa her kennen, eben gerade nicht gschroart. Die Rampensau lassen sie (noch) nicht raus, was einem durchaus sympathisch ist. Allerdings muss der Schmaatz mit dem Publikum doch sitzen. Ohne ihn sind die Lieder nur zwei Drittel so viel wert.

An dem Abend, den Hans Well ausdrücklich nicht als Premiere verstanden wissen will, war eines völlig klar: Da tut sich vor uns ein ganz großes Potenzial auf. Denn Drasch ist musikalisch sozusagen die Grande Dame, und ihrer launigen Musikinstrumentenlehre hätte man gern öfters gelauscht. Etwa dass die Zither ein ausgesprochen katholisches Instrument sei – von einem Evangelischen erfunden. Obendrein hat sie einen knochentrockenen Humor. Der Schlagabtausch mit Well macht heftigen Appetit auf mehr. Michi bringt den Schmelz der Jugend ein und die Beweglichkeit für Akrobatik à la Schuhplattler. Seine Lausbuben-Verschmitztheit wird sich noch schön entfalten.

25 neue Lieder haben die drei im Angebot und begrüßen, wie es bei Hans Well der Brauch ist, ihre Gäste mit einem aktuellen Stückerl passend zum jeweiligen Ort. „Minga is z’groß“, seufzt Well, hat dennoch die Zeitung gefilzt und bietet nun ein Potpourri von der Dritte-Startbahn-Abstimmung über den Konzertsaal (Standort Isarauen) bis hin zur Wohnungsnot. Wichtig ist den Neuen aber vor allem das Land zwischen Dorfsterben durch Gewerbegebiete und Gemeinderatfilz. Herrlich die Rettung der CSU vor dem Weltuntergang mit Commander Seehofer im Shuttle. Und dann kommt das Schwarze Loch, „eine Radiblähung – und die CSU ist CO2“. Die Griechen werden dafür mit dem „Alexis-Sorbas“-Sirtaki durchgewalkt.

Vieles, was brennt, sprechen Drasch, Michi und Well an – mit Gaudi, Frechheit und schon mal saugrob. Unbeschwert gelacht darf aber genauso werden (wenn der „Erlkönig“-Papa zum Kindergarten rast) – und mitmachen ist gefragt. Fast genial bei alldem: ein valentinesk wahnwitziges Bläserstück. Das Chaos hat Methode.

Simone Dattenberger

Auftritt

an diesem Sonntag, 19 Uhr, Münchner Künstlerhaus, Lenbachplatz 8, Karten unter Telefon 089/ 58 999 812.

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