Hebbels "Nibelungen": Zu Putins Geburtstag

München - Die Hagens sterben nicht aus. Männer wie dieser Bösewicht der Burgunder oder besser gesagt, ihr intellektueller Stratege, sind einfach nicht tot zu kriegen. Ein Politiker, der über Leichen geht. Sein einziger Antrieb: die Gier nach dem Gold. Friedrich Hebbels "Nibelungen", dieser 1861 uraufgeführte XXL-Klassiker (knappe sechs Stunden), ist - vielleicht mehr noch als bei seiner Münchner Premiere vor zwei Jahren - ein ganz und gar politisches Stück. Der Mythos lebt.

Dass die Wiederaufnahme dieser Kammerspiele-Inszenierung von Andreas Kriegenburg ausgerechnet am 7. Oktober erfolgte, Wladimir Putins Geburtstag und dem ersten Todestag der in Russland ermordeten Anna Politkowskaja, mag Zufall sein. Dieses Zusammentreffen aber macht deutlich, wie Recht Kriegenburg damit hatte, am Schluss des Stücks - anders als Hebbel es vorgesehen hat - Hagen als einzigen überleben zu lassen.

Nach eineinhalbjähriger Spielpause ist diese Aufführung in schauspielerischer Topform erneut eine Empfehlung wert. Die Geschichte von der betrogenen Brunhild (Julia Jentsch), der rachsüchtigen Kriemhild (Wiebke Puls), dem blauäugigen Helden Siegfried (Oliver Mallison), den ziemlich bekloppten Burgunder-Brüdern mit ihrem impotenten König Gunther (Bernd Grawert) an der Spitze und dem Ideologen und Siegfried-Mörder Hagen Tronje (Hans Kremer) - diese Geschichte ist hier so spannend wie leicht, so heiter wie tragisch, so ironisch wie bitterernst erzählt. Richtig großes Schauspiel - teilweise mit Entertainment-Qualität.

Nächste Vorstellungen:

13., 21.10. sowie 4., 18.11.2007, Beginn jeweils 17 Uhr.

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