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Hebung des Nationalgefühls

- "Spannens amal 2 Löwen vor einen Bierwagen an, ob die den Wagen über einen Berg hinauf ziehen können", fragt Karl Valentin. Löwen, Bier und Valentin - drei Begriffe, die mit dazu beigetragen haben, dass aus Bayern ein Mythos wurde. Also eine legendäre, glorifizierte Angelegenheit. Zu dieser Aufzählung gehört aber - neben Berge, Tracht und Gemütlichkeit - unbedingt noch ein weiteres Wort: Hinterkünftigkeit. Eine Variante bayerischen Denkens, das mit ganz eigenem Witz die Absurdität des Logischen klarstellt. So nennt Valentin die Sache beim Namen: Ein Löwe aus dem wilden Afrika als Wappentier der Bayern? Bräurosse, findet er, wären die richigere Variante. Wenn auf einem Bild auch zu sehen ist, wie die Bavaria von ihrem Podest gestiegen ist und dem weißblauen Leu reichlich "Wagnerbräu" zu saufen gibt.

<P>All diese schönen Beispiele, dazu Textpassagen der Lena Christ oder des Weiß Ferdl, die herrlichsten Gemälde, die von bayerischer Gemütlichkeit, Brauchtum und Braukunst erzählen, von Festen und vom Fasten, von Kirche, Jagd und Wilderei, von Stadt, Land und Sommerfrische, von Mode und Maßkrügen, von Handel und Wandel - all das ist jetzt zu besichtigen in der Ausstellung "Mythos Bayern" im Münchner Stadtmuseum.<BR><BR>Rechtzeitigt zum Wiesn-Start breiten Museumschef Wolfgang Till und sein Team die Schätze des Hauses und noch ein bisschen mehr, insgesamt etwa 1000 Exponate, über eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern aus. Ausstellungsmacher Helmut Bauer stellt zwei Dinge klar: Erstens sind mit Bayern hier nicht Franken oder die Oberpfalz gemeint, sondern allein seine "Epizentren, das Filetstück", vom Berchtesgadener bis zum Werdenfelser Land, vom Chiemsee bis nach Tölz.<BR><BR>Zweitens beginnt für ihn der Mythos Bayern in dem Moment, wo es Königreich wird, also 1806, und die Wittelsbacher zur Hebung des Nationalgefühls sich einiges ausgedacht haben, unter anderem ein Nationalkostüm. An die schönsten Plätze des Landes haben sie sich ihre Schlösser gesetzt. Und als 1838 die russische Kaiserin in Kreuth kurte, wurden junge Mädchen und Buben aus Wackersberg engagiert, um mit ihren Volkstänzen der Zarin die späten Stunden zu versüßen. Quasi der Ursprung des Heimatabends.<BR><BR>Die Stadtmuseums-Schau wolle, so Helmut Bauer, nicht interpretieren. Assoziativ habe er die Exponate nebeneinander gestellt. Der Besucher möge sich sein eigenes Bayernbild, seinen eigenen Mythos schaffen. Das aber dürfte nur schwer gelingen. Die Ausstellung bietet zwar enorm viel. Und im einzelnen teilt sich vor allem auch eines mit: Die Bayern lieben Lust und Sinnlichkeit, genießen Witz und Lebensfreude. Der Mythos wird zum Tourismus fördernden Klischee. Um das in vollem Umfang nachzuvollziehen, muss sich der Besucher allerdings recht mühsam von Vitrine zu Vitrine, von Schauraum zu Schauraum hangeln.<BR><BR>Wodurch sich die großen Präsentationen im Stadtmuseum sonst in so reichem Maße auszeichnen, zuletzt die wunderbare Richard-Wagner-Schau, das fehlt diesmal: die Ausstellung als vergnügliches Ereignis, die Lust der Entdeckung, die Einbeziehung der Besuchers ins Gezeigte. Doch, hier ist schon auch alles sehenswert, hat Witz und Biss - ob es sich um Hut und Hirschbart Maximilians II. handelt oder ums Wirtshausschild "Zur Fischer Lisl", das mit dem Paralleltext "Ala Donna del Lago" bereits 1840 italienisches Flair vorgaukelt. Aber es fehlt der hinterkünftige Witz der Ausstellungsmacher, stattdessen teilt sich die Kraftanstrengung mit, unter der das ganze Haus ächzt.</P><P>Bis 27. März 2005, Die.-So. 10-18 Uhr. Katalog: 38 Euro. Tel. 089/ 233 22 994.<BR><BR></P>

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