Hehre Recken, holde Heldinnen

- "Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! Hahhei! Hahei! Heiaho!" Lässt sich das wirklich nur singen? Kann man den Auftritts-Übermut Brünnhildes in der "Walküre" auch sprechen, glaubwürdig und doch pathetisch, witzig und überzeugend? Wer käme hier ohne Richard Wagners grandiose Musik aus? Sunnyi Melles.

<P>Ihr gelang dieses Kunststück, als jetzt an zwei Abenden die Bayerische Akademie der Schönen Künste und das Bayerische Staatsschauspiel zur Lesung des kompletten "Ring des Nibelungen" ins Residenztheater luden: eine Veranstaltung, deren Reinerlös der Restaurierung des Cuvilliés-Theaters zugute kommt (www.comite-cuvillies.de).</P><P>Akademie - Präsident Dieter Borchmeyer begleitete die Lesung, indem er Wagners Regieanweisungen vortrug - und Staatsschauspiel ließen ihre hehrsten Recken und holdesten Heldinnen aufmarschieren. Eine stolze Versammlung der Besten. Vor dem Eisernen Vorhang nahmen sie Platz - und lasen. Und so manchem Zuhörer erschloss sich der "Ring" neu oder ganz anders, als er es bislang im Opernhaus gewohnt war. </P><P>Wenn Stefan Hunstein Siegmunds "Winterstürme wichen dem Wonnemond" sprach oder als Siegfried "Nothung! Nothung! Neidliches Schwert" triumphierte; wenn Lambert Hamel als Mime mit der gebotenen Distanz des Lesens Komik und Verschlagenheit dieses Zwerges aufleuchten ließ; wenn Doris Schade als Erda wortgewaltig mahnte; wenn Rolf Boysen Gott Wotan seine weise Skepsis lieh - dann zauberten diese Künstler Wahrheit und Wonne gleichermaßen aus dem Text hervor. </P><P>Und wenn dann noch Waltraud Meier, sonst bei Wagner nur singend zu erleben, so klug wie souverän die Waltraute sprach, wurde auch das zu einem Erlebnis. So stellte ihr Dialog mit Sunnyi Melles, die sich selbst am Lesetisch voll mit ihrer Rolle identifizierte und staunenswert hineinsteigerte ins tragische Geschehen, den Höhepunkt dieser vom Publikum bejubelten zwei Abende dar.<BR><BR>> www.comite-cuvillies.de</P>

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