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Immer noch mit dem typischen Schalk in den Augenwinkeln: Heidelinde Weis (74) spielt die „Winterrose“.

Interview

Heidelinde Weis: Nicht wie im richtigen Leben

München - Heidelinde Weis ist ab morgen in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof auf Männersuche. Hier lesen Sie das Interview mit der Schauspielerin.

Manche Menschen verlieren mit dem Älterwerden ihr Gesicht. Nicht Heidelinde Weis. Man hat sie ja seit ihren frühen Film-Erfolgen (1964 „Die Tote von Beverly Hills“, 1966 „Liselotte von der Pfalz“, 1971 „Die Frau in Weiß“) und bei ihrer bis jetzt durchgehenden Spiel-Präsenz nicht aus den Augen verloren. Ein paar Fältchen, ja, aber auch mit ihren 74 ist es irgendwie immer noch die junge hübsche Weis, die einen anschaut, den typisch Weis’schen Schalk in den Augenwinkeln. Auch die Art, wie sie redet, sich bewegt hat nichts von ältlicher Gesetztheit.

Demnach scheint die Rolle der Elisabeth Leitgelb wie für sie geschrieben: Diese verwitwete Dame sucht mit geradezu jugendlicher Energie und Ausdauer per Annonce einen neuen Lebensgefährten – unter dem Pseudonym „Winterrose“. Das so titelnde Kammerspiel des österreichischen Theater-erfahrenen Autoren-Trios Christa, Agilo und Michael Dangl, inszeniert von René Heinersdorff, hat am morgigen Mittwoch München-Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof.

Elisabeth ist clever organisiert: Von einer Parkbank gegenüber dem Treffpunkt-Café nimmt sie mit einem Fernglas vorab den jeweiligen Bewerber ins Visier. An der Wahl seiner unter den Arm geklemmten Zeitung – das verabredete Erkennungszeichen – wird er von ihr schon ein Stück weit abtaxiert. Und keiner passt so richtig. Seit jüngstem sitzt auch der lesefreudige Anton Kleberger auf dieser Bank, der sich durch ihr Geplapper gestört fühlt.

„Die beiden sind sich nicht grün“, fasst Weis die Situation zusammen. In Heinersdorffs Theater an der Kö in Düsseldorf hatte Reinhard von Hacht den eigenbrötlerischen Hobbyliteraten Anton gespielt. Für München wünschte sich Weis den Allroundkünstler Werner Schneyder, einen Freund aus den Achtzigerjahren, als sie in der Münchner Lach & Schießgesellschaft ihr Programm „Lieder über die Liebe oder was man dafür hält“ präsentierte. Musste sie ihre Elisabeth jetzt ein wenig umpolen? „Na ja, dieser Mann regt sie maßlos auf, weil er so uninteressiert ist“, sagt Weis. „Und von Hacht spielte eher einen liebenswürdigen Anton, den musste ich sehr bald mögen.“

Es geht mithin um zwei gegensätzliche Charaktere und um die widerwillige, dennoch allmähliche Annäherung. Als Mediator fungiert der Park-Gärtner, den Rolf Berg spielt. Von einer sich entwickelnden Dramatik kann man hier also nicht sprechen. Es gebe dafür viel Situationskomik, meint Weis: „Man hat wirklich Spaß beim Zuschauen.“ Dass ihre hartnäckige Elisabeth Zuschauvergnügen bereitet, möchte man als garantiert annehmen. Denn in den letzten 15 Jahren hat Weis in einer Reihe von Fernsehfilmen unter anderem nach Vorlagen von Utta Danella, Rosamunde Pilcher, Leonie Ossowski und Diana Stainforth bereits ihr komödiantisches Spätlese-Talent bewiesen, auch in Sachen „Liebe für Fortgeschrittene“.

Im wirklichen Leben spielt(e) sich das bei Weis ganz anders ab. Von 1960 bis 1998 ist sie mit dem Theaterproduzenten Hellmuth Duna verheiratet. Nach seiner Erkrankung 1988 pflegt sie ihn bis zu seinem Tod 1998. „Praktisch rund um die Uhr“, erzählt sie. „Die Arbeit habe ich weitestmöglich zurückgesteckt. Bei Angeboten hoffte ich inständig: nur eine Drei-Tage-Rolle!“ Bewundernswerterweise spürt man bei ihr kein Bedauern über einen Verzicht. „Wenn du heiratest, musst du ja sagen, auch in schwierigen Zeiten“, ist ihr Standpunkt. „Wir haben uns immer gegenseitig hochgezogen, wenn es mal nicht so gut lief... Mein Mann war auch sehr klug. Ich wollte ja nach der Heirat nur noch Ehefrau sein. Aber er stellte gleich klar: ,Wenn wir uns eines Tages nicht mehr verstehen sollten, möchte ich nicht, dass du meinetwegen deinen Beruf aufgegeben hast.‘“

Also spielt Weis weiter: in zahlreichen (TV-) Filmen und Theatern. In der Münchner Komödie im Bayerischen Hof war sie in den Neunzigerjahren Shaws „Candida“ und „Die Erbin“ von Ruth und Augustus Götz und führte dort auch zweimal Regie. „50 Jahre habe ich in Deutschland gearbeitet! In Österreich habe ich keine Wurzeln geschlagen“, stellt die gebürtige Kärtnerin trocken fest.

Immerhin hat sie jahrelang ein Domizil in Kärnten auf dem Land, aber auch eine Wohnung in München. „Die habe ich jetzt aufgegeben, da ich nicht mehr so viel arbeite“, erzählt sie. „Und weil mein Hund gestorben ist, habe ich auch das Kärntner Anwesen verkauft. Es waren zehntausend Quadratmeter Grund, wo meine Emma, ein großer Dorfhund, herumfegen konnte.“ Emma war für sie, das ist bekannt, eine Lebensbegleiterin. Und warum kein neuer Hund? „Von der Größe her habe ich noch keinen gefunden, der in meine neue Wohnung passen würde“, gesteht sie. Und eine neuer Mann? Weis’ Blitzreaktion: „Sind Sie wahnsinnig!“ Na, so herzhaft temperamentvoll wird man wohl auch ihre Winterrose erleben.

Premiere

am 21. Januar, Vorstellungen bis 21. Februar; Karten unter der Telefonnummer

089/ 29 16 16 33.

Von Malve Gradinger

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