Heidi, Heidi, deine Welt sind die Medien . . .

- "Nimm es und verdirb es", schleudert der Alpöhi der Dete entgegen, als diese "das" Heidi ihm, den Bergen und dem Geißenpeter entreißt und nach Frankfurt holt, damit es der Klara im Rollstuhl hilft. Das gute Naturkind aus der heilen Bergwelt wurde vielfach benutzt und vielleicht auch verdorben. Auf Zigarettenpapier und Käserollen, auf Souvenirs und in Prospekten betört es niedlich und werbewirksam.

<P>Doch was ist es, das Johanna Spyris Romanfigur von 1879 auch zu einem literarischen Dauerbrenner mit Übersetzungen in 50 Sprachen, mit unzähligen Verfilmungen und Musicals machte? Die Ausstellung "Heidi: Mythos - Marke - Medienstar", zusammengestellt von Zürcher Volkskundestudenten, spürt im Alpinen Museum München sehr spielerisch und familiengerecht der überraschenden Vielschichtigkeit des Waisenmädchens nach.<BR><BR>Bergidyll wurde zum Modetrend, Schweizer Charme zum japanischen Comic, Natürlichkeit zum schlüpfrigen Film. Heidi steht einerseits für eine naive Herzlichkeit, für Heimweh und helfende Weiblichkeit, andererseits aber auch für Aufmüpfigkeit, Emanzipation und die Abkehr von der Stadt. Nicht nur die Hippies haben die Schweizerin für ihren Freigeist entdeckt. Auch Amerika konnte mit der Shirley-Temple-Version im Kino für romantische Furore sorgen. <BR><BR>Gerade die internationalen Verfilmungen sind eine weites Feld, dem sich die Ausstellung plakativ und auszugsweise nähert. Zwischen begehbarer Schneekugel, Heubett und Stube werden die skurrilsten Objekte, aber auch die literarischen und sozialen Hintergründe multimedial und optisch ansprechend erschlossen. Bilder in Leuchtkästen und Minimonitore, versteckt in den szenischen Nachstellungen, sind zu entdecken. </P><P>Ein Kinderzimmer mit Devotionalien zeigt ebenso wie die unglaubliche Menge an Illustrationen (von 1881 bis heute), wie sehr sich das Bild von Heidi geändert hat - und wie sehr noch die Suche nach der heilen Welt aktuell ist. Zwei Leckerbissen darunter: die japanische Jodelversion zum Comic sowie eine schriller Spaß-Horror von 1998.<BR><BR>So vergnüglich manch Auswuchs des Kultes auch ist, den Besuchern Heidilands ist es bitterernst mit ihrer Liebe zum Wunderkind. Interviews geben den Wert der Identifikationsfigur wieder. Dementsprechend werden auch die kritischen Momente in der Ausstellung weniger angesprochen, als einfach vor Augen geführt. Die Vermarktung ist nicht zu interpretieren. Sie ist einfach da, allerorts. Heidi, Heidi, deine Welt sind die Medien.</P><P>Bis 28. September auf der Praterinsel. Tel. 089/ 211 22 40<BR></P>

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