Heile Welt mit Sexbomben

- Fast sind es Puppenstuben: zierlich, handlich und herrlich bunt, insgesamt ein reizender Abklatsch der US-amerikanischen Wohnwelt der 60er-Jahre, den Tom Wesselman da geschaffen hatte. Duschvorhang, Wäschekorb und Handtuch im Bad sind zwar en miniature, aber zum Anfassen echt, gleichfalls der Speck, die Cornflakes-Schachtel und der rosafarbene Kühlschrank in der Küche, die immerhin einen Picasso aufzuweisen hat. Die Putzigkeit der heilen Welt sprengte Wesselman nicht nur ironisch mit seinen Bonbon-Farben, sondern auch mit veritablen Sexbomben. Auf diese Weise verknüpfte er vergnüglich und subversiv Optik und Aussage der Waren- und Werbewelt - alles ist käuflich - mit einigen klassischen Formen der bildenden Kunst: Akt, Stillleben, Interieur, Landschaft.

Am Freitag ist Tom Wesselman, einer der Begründer der Pop Art, in New York nach Komplikationen bei einer Herzoperation im Alter von 73 Jahren gestoben. Am 23. Februar 1931 wurde er in Cincinnati (Ohio) geboren. Er studierte nach seiner Militärzeit im Koreakrieg an der Cooper Union School of Art and Architecture in New York. Der Durchbruch kam mit den Akt-Serien, etwa den "Great American Nudes" ab 1961. So wie Wesselman Malerei, Fotos und Gegenstände, also Zwei- und Dreidimensionales, kombinierte, fügte er auch Körperteile mit Räumen und Objekten zu einer Landschaft: berühmt die "Duette" von Busen und Orangen. Die massive Anmache der Reklame übersetzte der Maler in eine offensive Sexualität, die damals durchaus provozierte. <BR><BR>Wesselmans Bildsprache entwickelte sich aber nicht aus der Flachheit der Werbe-Gestaltung, sondern aus einer nachdenklichen Auseinandersetzung mit Matisses bahnbrechender Schlichtheit in Fläche, Farbe und Linie. Dieses Rüstzeug und die Lust an der Assemblage befähigten Tom Wesselman zu seinen "Puppenstuben", aber auch zu riesenhaften Formaten.<BR><BR>

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