In Flughafen-Nähe: Auto bricht durch Leitplanke - Stau in beide Richtungen

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Heilige, Heilende und Helden

- Alle 46 Körperstellen, an denen verdorbene und damit schädliche Säfte entzogen werden sollten, wurden bei einem nackten Aderlassmann durch rote Punkte markiert und mit einer an den Rand notierten Abfolge von Buchstaben verbunden: als Gedächtnisstütze für Bader, Barbiere und Chirurgen, die sich solchermaßen "auf einen Blick" informieren konnten, wo das Übel zu beheben war. Enthalten ist dieser seitengroße Aderlassmann auf einem der 24 Pergamentblätter eines um 1462 irgendwo zwischen Augsburg und Regensburg geschriebenen Hausbuches.

<P>Zu Beginn dieses "Volkskalenders" werden neben dem Aderlass das Schröpfen, einige Ernährungs- und Baderegeln erläutert sowie Hinweise zum Landbau - verbunden mit Tierkreisbildern und Alltagsszene, damit alles in der geeigneten Mondphase des jeweiligen Tierkreiszeichens vorgenommen wurde.<BR><BR>"Aderlass und Seelentrost" nennt das Nürnberger Germanische Nationalmuseum seine Ausstellung von über 70 Handschriften und frühen Drucken aus 600 Jahren: eine Auswahl wesentlicher Teile einer vorangegangenen Präsentation in der Berliner Staatsbibliothek. Neben dem gut erhaltenen oberdeutschen "Volkskalender" und Johann Hartliebs mittelalterlich bayerischem Kräuterbuch liegt ein weiteres astrologisch-medizinisches Lehrbuch, eine deutschsprachige elsässische Handschrift von Heinrich von Laufenberg (1450/60). Ohne Rücksichtnahme auf den Einfluss der Sterne gab es keinen Heilerfolg. <BR><BR>Zur Abteilung "Seelentrost" zählen in dieser Nürnberger Schau die gar schlimme Teufelei in Heinrich Seuses "Der Heiligen Leben": 1471 in einem fränkischen Kloster als erste deutsche Gesamterklärung der liturgischen Messe niedergeschrieben. Altersbedingt gebräunt und verschmutzt ist so manches Blatt, welches gleichwohl die Germanisten und Historiker verzückt: ein Pergament-Doppelblatt aus dem Nibelungenlied, geschrieben vor der Mitte des 13. Jahrhunderts im alemannischen Grenzgebiet zum Bairisch-Österreichischen, das restaurierte Fragment aus einer fränkischen Folio-Pergament-Handschrift (um 1300) mit einem Stück aus der Willehalm-Trilogie sowie ein alemannisches, anonymes Gedicht zur Minne-Allegorie des 14. Jahrhunderts.<BR><BR>Die bei aller Regelmäßigkeit virtuosen, kalligrafisch feinen Schriftbilder laden ein zur Bewunderung: bei einem Text der Hildegard von Bingen wie bei einem Parzival-Stück des Wolfram von Eschenbach.</P><P>Bis 15. Februar; Katalog: 29,90 Euro; Tel. 0911/ 1 33 10.<BR></P>

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