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„Heilige Nacht“ im Pressehaus: Gitarrist Perry Schack, Enrico de Paruta, die „Engelsstimmen“ Magdalena Pellmaier und Maximilian Breitruck, Tenor Moritz Kugler und Harfenistin Caroline Schmidt-Polex.

Eine weihnachtliche Zeitreise

"Heilige Nacht" im Pressehaus

München - Enrico de Paruta und die „Engelsstimmen“ begeistern die Leser des Münchner Merkurs in der Alten Rotation.

Merkur-Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger.

Vier Stühle, ein Tisch, ein Adventskranz, eine Gitarre und eine Harfe: Mehr brauchte es nicht für das Weihnachtsspiel zu Ludwig Thomas bayerischer Version der biblischen Geschichte „Heilige Nacht“ im Münchner Pressehaus. Chefredakteurin Bettina Bäumlisberger begrüßte unsere Gewinner-Leser herzlich, und dann führte auch schon Enrico de Paruta alle gemeinsam auf eine ungewisse Reise hinaus in die frostige, scheinbar hoffnungslose Nacht – mit zwei freudestrahlenden Engeln am Ziel.

In Festtagstracht: Enrico de Paruta. 

Zum siebten Mal startet de Paruta seine Weihnachtstournee in der Alten Rotation mit der kleinen kammermusikalischen Fassung der Geschichte, und dabei umgeht er es geschickt, mit den in Bayern wie Schwammerl sprießenden üblichen „Heilige Nacht“-Lesungen zu konkurrieren. Am Tisch sitzend, ein dickes, schweres Buch hervorzukramen und daraus zu rezitieren? Dafür kennt, liebt und lebt De Paruta zu gut Thomas Geschichte in altbayerischer Mundart rund um Maria und Josefs Herbergssuche, versetzt in die alpenländische Gegend am Tegernsee. Er also trägt den Original-Text auswendig auch gerne mal singend vor. Doch zunächst versetzt er – in bayerischer Festtracht gekleidet – seine Zuhörer mit originellen Pointen in die Zeit vor 99 Jahren, als Thoma als frustrierter und verlassener Kriegsheimkehrer sich „die Seele aus dem Leib schreibt“.

Kalt ist es, ein eisiger Wind weht, Maria und Josefs unfreiwillige Reise beginnt, und so lässt de Paruta seine Zuhörer eintauchen in diese fremde Welt, die eigentlich bloß zum Verzweifeln ist. Doch de Paruta zündet gleichzeitig eine Kerze am Adventskranz an und zeigt damit wie auch mit Hilfe seiner Maria stets, dass man Vertrauen und Zuversicht nie aufgeben sollte, dass die Hoffnung immer siegt. Am stärksten ist sein Spiel dann auch in Bethlehem bei der aufreibenden Suche nach einer Herberge – nicht nach einer geeigneten, sondern nach irgendeiner. Er trennt jede Figur scharf und staffiert jede noch so groteske mit glaubhaften Eigenarten aus. Bei Josefs reichem Onkel streicht sich de Paruta großspurig-genüsslich über den hervorgereckten Bauch, dessen Frau interpretiert er als keifendes, Ich-bezogenes Waschweib. Sekunden später steht ihm Josefs sprachloses Entsetzen ins Gesicht geschrieben, gefolgt von Marias stets ausgleichendem Gemüt.

Unsere Gewinner lauschten der Weihnachtsgeschichte.

Bei solchen Glanzmomenten bleiben Gitarrist Perry Schack und Caroline Schmidt-Polex an der Harfe stets dezent im Hintergrund. Ansonsten führen beide emanzipiert und geschickt durch den Abend, erzählen ihre eigenen Versionen von den Grobheiten und Hartherzigkeiten der Welt und dem trotzdem nicht unterzukriegenden Gefühl der Hoffnung. Wunderbar warm, durchdringend und schließlich sogar entfesselt erklingen Gitarre und Harfe dann, als der Stern zu leuchten beginnt, als die frohe Botschaft verkündet werden soll.

Ähnlich ist es bei Tenor Moritz Kugler, der am Ende von den beiden „Engelsstimmen“ Maximilian Breitruck und Magdalena Pellmaier begleitet wird. Ihre zarten Stimmchen wirken beim Klassiker „Stille Nacht, heilige Nacht“ dank der Gesangsausbildung, die der Wettbewerb von Musica Bavariae mit sich brachte, kraftvoll und kontrolliert zugleich – ohne diesen anziehenden Kindercharme abgelegt zu haben. Auch führt der 13-Jährige aus Marktoberdorf die erst Neunjährige aus Zolling (Kreis Freising) bei ihrem ersten Auftritt wie ein großer Bruder. Sie ist die diesjährige Gewinnerin des Merkur-Sonderpreises (wir berichteten), und alle drei Sänger zusammen ergeben ein passendes, gefühlvolles Finale eines besinnlich-bedachten Abends.

Angelika Mayr

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