Heilige sind gefragt

- Ob's immer hinhaut, ist nicht garantiert. Jedenfalls wagen die Münchner Kammerspiele allerhand über den gängigen Premieren-Fahrplan hinaus. Das "Glaubenskriege"-Wochenende im März diskutierte Fragen rund um religiösen Fundamentalismus und den brüchig gewordenen Glauben in der westlichen Gesellschaft. An diesem Themen-Komplex durften sich jetzt zwei junge Regisseure reiben: "Wer's glaubt, wird selig - Santo Subito!" (Neues Haus).

<P>"Heiligsprechung, sofort", skandierten die Gläubigen beim Tod von Papst Johannes Paul II. Und um die Sehnsucht nach einer Heiligenfigur ging es in dieser ersten Runde - die neuen Medien-Heiligen inklusive. In einem musikalischen Salon-Stündchen zimmerte Patrick Wengenroth eine Vielfach-Metamorphose des "Heiligen Antonius" - von Reinhold Messner über Fürstin Gloria bis zu Bono von U2. Schon bisschen kraus . . . Augen zu und durch. Denn zumindest Anneke Schwabe ent-puppt sich so sexy aus ihrem Mönchsgewand als Las-Vegas-Beauty, wie sie elegant ihre Kerzen-umflackerte Verzückungs-Mystik in souliges Entertainment und Gretchens Schmachten übergehen lässt.<BR><BR>Dieses Schillern zwischen heiliger und erotischer Trance - ja schon biblischer Topos - kriegt dann Robert Lehninger mit seiner "Heiligen Maria Magdalena" ganz prächtig hin: die Langhaar-Jünglinge René´ Dumont, Christoph Luser und Sebastian Weber huldigen in ihrem schrägen Friseursalon den beiden Magdalenen, der ersten Apostelin und der Büßerin. Demütig kniend waschen sie die Füße der Zuschauerinnen. Lesen aus der "Cosmopolitan" die "Hohelied"-Schönheiten der "Schwester-Braut" und intonieren Messdiener-sanft selbst gebastelte süße "Magdalena"-Anbetung, während da Vincis "Letztes Abendmahl", King Kong und eine Comic-Udine über den rückwärtigen Bildschirm flimmern. Videos, listig-lustig ausgesuchte Texte und drei charismatische Erz(b)engel - die "Subito"-Rechnung geht augenzwinkernd auf. </P><P>Am 14./15.6. folgt "Santo subito 2" mit "Karol Woijtila" und "Resl von Konnersreuth". </P><P><BR> </P>

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